Mittwoch, 28. Dezember 2022

Weihnachten

2014. Mein schlimmstes Weihnachten. Es fiel einfach aus. Wir ließen es ausfallen. Ich erinnere mich an Kartoffelsalat mit Würstchen, und an eine Mitternachtsmesse, die wir besuchten. Ich wollte keine Geschenke. Es gab nur einen einzigen Wunsch, den mir niemand würde erfüllen können. Alles fühlte sich dunkel und sinnlos an. Mein Leben war ein einziger Albtraum.


2022. Ich liege im Bett und fühle mich so zufrieden. Neben mir schnarchen leise Mann und Kind. Ich denke an das Weihnachten von 2014 zurück, und es fühlt sich an wie ein anderes Leben. 8 Jahre liegen dazwischen. Ein anderer Mann, ein weiteres Kind. Ich finde es völlig irre, wie viel Glück ich in all dem Unglück hatte. Bin dankbar, SO dankbar, dass ich auch in der tiefsten Dunkelheit eine leise Ahnung spürte, dass das Leben noch ganz viel schönes für mich bereit halten würde. Denn das tat es. Aber konnte ich das wirklich wissen? 2014 definitiv nicht. 

Sonntag, 4. September 2022

8 Jahre

Meine kleinen Schätze.

In wenigen Stunden würdet ihr euren 8. Geburtstag feiern. Meine kleinen Jungs wären langsam schon richtig große Jungs!

Vielleicht fändet ihr Star Wars cool oder Ninjago oder Minecraft, wahrscheinlich bin ich damit gar nicht mehr up to date und es gibt schon viel heißeren Scheiß! (Ja, Mama hat Scheiß gesagt :D)

In mir toben gerade so viele Emotionen, die ich gar nicht sortiert bekomme.

Das erste Babyjahr mit eurer Schwester ist um, dumeinegüte, ich kam wenig zum Luftholen und Innehalten und erst recht nicht zum Blogpost schreiben.

Dabei hätte ich so viel zu erzählen gehabt. Die ersten Todestage mit lebenden Baby "nebenbei" waren so so krass, ich konnte das gar nicht aushalten. Mit Baby auf dem Friedhof vor eurem Grab zu stehen, dann die Vorstellung, auch sie verlieren zu können. 

Diese Angst wird mir wohl bleiben, wie oft ich nachgeschaut habe, ob sie noch atmet, wie unent- und verspannt ich bin...

Dabei ist es auch einfach wahnsinnig schön mit ihr, und sie wahnsinnig niedlich und wundervoll. Ihren 1. Geburtstag auszurichten hat so viel Spaß gemacht, ihr einen kleinen Kuchen zu backen, sie vor Freude quietschen zu sehen über die toll geschmückte Wohnung, die Geschenke auspacken zu lassen... 

Die Girlanden hängen noch, das "Happy Birthday"-Banner. Wir hatten überlegt abzuschmücken, aber irgendwie fand ich es doof an eurem Geburtstag wieder alles normal zu haben. Jetzt schaue ich ihren Ballon an, der immer noch so schön an ihrem Hochstuhl hängt, und spüre den bitteren Beigeschmack. Die riesige Kluft, zwischen ihrem und eurem Geburtstag.

Morgen werde ich keinen Kuchen backen, kein Geschenk ein- oder auspacken. Keine Vorfreude spüren, keine Kleidung aussuchen, die ihr anziehen könntet. Euch kein schönes Frühstück machen und den ganzen Tag um euch rumschlawenzeln, weil ihr ja Geburtstag habt und ich euch dauernd abknuddeln muss.

Ich möchte mit Tante F. (und der kleinen M.) wieder morgens zu eurem Krankenhaus, in der Nähe frühstücken und noch zu eurem Grab fahren.  

Was für ein Kontrastprogramm. Vielleicht kein Wunder, dass ich das in meinem Kopf nicht richtig klar bekomme. 

Ich denke so sehr an euch, ihr kleinen Mäuse. Und hab auch so unendlich lieb! Seid geknuddelt und geknutscht, durch alle Welten hinweg.

Freitag, 10. September 2021

7 Jahre

Meine kleinen Lieblinge.

Am 5. September wärt ihr nun schon 7 Jahre alt geworden. Eure Mama hat so viel an euch gedacht an diesem Tag. Und ich wäre so gern zu euch auf den Friedhof gefahren.

Stattdessen war ich morgens mit M. in eurer Klinik. Mit eurer kleinen Schwester, zur Kontrolle beim Kinderarzt.
Am 31. August wurde sie geboren. Ich bin mir ganz sicher, dass ihr uns begleitet habt.
Diesmal habe ich alles mitbekommen. Ein geplanter Kaiserschnitt, ganz komplikationslos.
Morgens früh in die Klinik gefahren, OP-Vorbereitung, Spinalanästhesie, und gefühlt 2 Minuten nach Beginn der erlösende erste Schrei.

Ich kann mein Glück seitdem kaum in Worte fassen. Und obwohl ich es immer schwierig finde, bei Folgekindern davon auszugehen, dass "jetzt ja alles gut ist", erfahre ich gerade sowas wie Heilung.

Euer Schwesterchen ist ein echter Goldschatz. Nörgelt nur wenn es mit dem Essen nicht schnell genug geht, wir Eltern uns bei den Wickelunfällen unmöglich anstellen oder sie von Bauchweh geplagt wird. Ansonsten liegt sie eigentlich die meiste Zeit zufrieden auf uns herum und schläft.

Und gleichzeitig bricht es mir einmal mehr das Herz, dass ich diese wundervolle erste Zeit, dieses magische, intuitive, kosmische Band zwischen Eltern und Baby, so mit euch nie erleben durfte.
Euch halten, angucken, knutschen und knuddeln konnte, wann immer ich wollte.

Ich hab euch alle drei so wahnsinnig lieb, dass mich oft der bloße Anblick der kleinen M. zu Tränen rührt. (Okay, und die Hormone wahrscheinlich.)

Ich hoffe, ihr freut euch mit ihr und uns, und schicke euch Küsse und Knuddler, wo auch immer ihr gerade seid!

In tiefer Liebe und Verbundenheit,
eure Mama

Freitag, 6. August 2021

August

Als ich ganz frisch schwanger war in diesem Jahr, gab es da dieses Gefühl: "Es wird ein August-Baby!"

Ich habe kaum zu hoffen gewagt, wirklich so weit zu kommen.

Nun bin ich mitten in der 35. Schwangerschaftswoche, und es ist August.

Würde sich das Kleine jetzt auf den Weg machen, wäre es vermutlich noch ein bisschen zierlich, aber ansonsten fertig.

Mein perfekter kleiner Mensch. Der Platz im Bauch ist mittlerweile begrenzt, meine meistgegoogelten Stichworte sind "schmerzhafte Kindsbewegungen!" und "zu wenig Kindsbewegungen?"

Die Kliniktasche ist vorbereitet, die Erstausstattung gewaschen, die Wickelkommode steht auch schon.

Ich hab große Angst, dass auf den letzten Metern noch was schief geht. Und gleichzeitig ist da eine wahnsinnige Freude. Die Vorstellung, in wenigen Wochen (tatsächlich zähle ich schon die Tage bis zur geplanten Sectio) die kleine Maus tatsächlich kennenlernen zu dürfen, sprengt meinen Horizont.

Letzte Nacht hab ich das erste Mal richtig bildlich von ihr geträumt. Sie hat den ganzen Tag verschlafen, und mir ist abends aufgefallen, dass ich sie nicht einmal gestillt habe. Ich hab sie dann geweckt, und sie war total quengelig. Sie hatte einen gestreiften Strampelanzug an, und ihre Haare waren dunkelblond und wenig zahlreich :-)

Sicherlich hat das auch damit zu tun, dass sie gestern wieder eine ruhigere Phase hatte. Wenn sie einen Wachstumsschub hat, schläft sie anscheinend viel. Obwohl ich das eigentlich schon kenne, bin ich jedes Mal von neuem beunruhigt.

Ich bin stolz auf sie, auf mich, auf meinen Mann, denn obwohl die letzten Wochen teils anstrengend und überfordernd waren, bekommen wir das alles doch ziemlich gut hin. 

Noch ein bisschen Geduld, und weiter guter Hoffnung sein.

Freitag, 18. Juni 2021

Gedanken zur Nacht, 2

Die bisher wärmste Nacht des Jahres.

Vom offenen Fenster kommt sowas wie frische Luft herein geweht.
Draußen von Ferne Gelächter. Wird der Markt etwa schon aufgebaut?
Möwen schreien sich an. Hätte nicht gedacht, dass ich mal Möwen mitten in der Stadt hören würde. Den Hafen mal ausgenommen.
In mir rumort es. Ich lege meine Hand auf meinen dicken Bauch. Auf die kleine Beule auf der linken Seite. Kopfnuss! Ich lächle.

Die Anspannung vor der nächsten Untersuchung steigt. Zu viele Geschichten in meinem Kopf, von späten Diagnosen, die ein gemeinsames Leben unmöglich machten. Vom plötzlichen Versterben im Bauch. Und dann erst die Geburt!
Meine Ansprüche sind gerade auf existenziellem Level. Wünsche mir nur eines: Baby lebt, ich lebe, M. lebt. Möglichst gesund und untraumatisiert.

Die Mopsmaus tritt mich.
Raus aus den düsteren Gedanken! Hallo, hier bin ich doch!! Lebendig und kräftig! Denk doch mal über mein Leben nach, nicht über meinen Tod, menschenskinnernochmal.

Ich lege meine Hand enger um meinen Bauch. Alles wackelt. Ich wackle mit.

Dienstag, 18. Mai 2021

24. Woche

Der Umzug kam, sah und wurde bewältigt!

Nun wohnen wir schon etwas über einen Monat in der neuen Bleibe.

In einer Ecke des Wohnzimmers stapeln sich dekorativ leere Postpakete - während einer Pandemie umziehen ist ja eher so mittel. Jeder Dübelerwerb will sorgsam geplant werden. Mal kurz ins Möbelhaus und eine neue Lampe aussuchen? Ach was!

So machten diverse Onlineshops den Umsatz ihres Lebens mit uns, ist ja auch schön (für die).

Ich bin mittlerweile in der 24. Woche angekommen. Mein Bauch ist gefühlt riesig und die kleine Mopsmaus darin macht sich schon ordentlich breit - kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie da bitte zwei kleine Rabauken drin Platz hatten.

Ansonsten ist die Zeit gerade toll und schwierig zugleich.
Die Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs ist offiziell erreicht, ein weiterer Meilenstein für mich!

Und - damit ist allmählich auch der Zeitraum erreicht, als Erik und Paul auf die Welt kamen.

Kaum vorstellbar, dass diese Schwangerschaft jetzt schon zu Ende sein könnte!
Ich freue mich gerade über jeden einzelnen Tag, der vergeht.
Und gleichzeitig versuche ich auch, die Beziehung zum Baby ganz intensiv zu pflegen. Die zarten Stupser sind schon zu ordentlichen Tritten geworden, der Papa hat auch schon von außen was abbekommen :)

Wir erzählen dem Bauch viel, streicheln und stupsen zurück. Nur vorsingen kann ich nichts. Das macht mich sofort traurig.

Insgesamt kann ich diese Schwangerschaft aber gut zu der letzten abgrenzen. Naja, sind ja auch knapp 7 Jahre Zeit vergangen. Nur wenn etwas blödes passiert (letzte Woche hatte ich zum Beispiel eine Blasenentzündung), bin ich sofort auf 180 und im Worst Case-Modus.

Habe jetzt einen Onlinekurs für sogenannte Regenbogenbabys angefangen (Folgeschwangerschaft nach Verlust). Mal schauen, wie das wird.

Auf "normalen" Schwangerschaftskram habe ich ansonsten gerade wenig Lust. Geburtsvorbereitungskurs, am besten mit lauter unbeschwerten Erstmamas, und das ganze wieder nur online, och nee.

Schwimmen wäre richtig toll, aber nope, ist ja auch noch alles dicht.

Aber so lese ich halt, spiele viel und gucke Netflix, Amazon und YouTube durch.

Wenn alles gut geht, werde ich so schnell keine Zeit mehr für solchen Tüdelkram haben.
Ich hoffe so sehr darauf!

Dienstag, 6. April 2021

2021

Hallo Blog, ich habe dich vermisst!

Wie im ganzen letzten Jahr gefühlt nur Stagnation war und dann 2021 mit gleich mehreren Knallern loslegte.

Die Chronologie der sorgsamen Jahresplanung meines Mannes und mir wurde direkt mal umgedreht, als ich im Januar einen positiven Schwangerschaftstest in meinen zitternden Händen hielt.

Sollte das in meinem Alter nicht viel länger dauern?! Gleichzeitig war mir der kleine Zellhaufen schon jetzt sympathisch, einfach so BÄM, hier bin ich!

Die Übernahme meines Mannes war dann auch noch mal eine Zitterpartie, und wir sahen uns schon verarmt mit Baby weiter in unserer kleinen Altbauwohnung sitzen.
In mir erwachte so ein trotziger Irrsinnsfunke, und wir intensivierten die Wohnungssuche noch einmal mehr.

Da standen wir also Ende Januar vor mehreren Wohnungen, ich mit Übelkeit und mein Mann mit Existenzängsten aus der Hölle.

Quasi zeitgleich erhielt er seinen Arbeitsvertrag, und wir eine Zusage für eine neue, größere Wohnung.

Und nächste Woche ziehen wir um!
Ich glaube es wahrscheinlich eh erst, wenn es soweit ist.

Mit dem Baby geht es mir ähnlich, und obwohl ich fast Halbzeit habe und der Bauch langsam nicht mehr zu übersehen ist, ist es immer noch surreal.
Ich hatte mich im März zu einem kleinen Eingriff entschieden, um die Schwangerschaft zu stabilisieren (wer es googeln möchte: Früher totaler Muttermundverschluss), damit mir nicht das gleiche passiert wie beim letzten Mal und der Muttermund sich zu früh und zu schnell öffnet.

Die äußeren Bedingungen sind jetzt aber auch andere: Es ist nur ein Baby, ich arbeite seit Wochen nicht mehr und mein tapferer Mann macht ungefähr alles, und ich liege nur herum und brüte.

Ob alles gut geht, weiß ich natürlich trotzdem nicht. M. sagt immer, richtiger als jetzt können wir es nicht machen.

Und obwohl ich wohl nie die strahlende, unbesorgte Schwangere sein werde, die ich gern wäre, und stattdessen die zottelige und ängstliche, freue ich mich unbändig über dieses kleine Wunder in mir, das bisher recht unbeeindruckt von dem ganzen äußeren Gewusel ist und fleißig wächst.

Ich stelle mir gern vor, wie seine kleine Seele noch etwas Zeit mit seinen großen Brüdern verbringt, bevor es dann bereit ist für den Trubel dieser Welt.

Ich hoffe, das Universum meint es weiterhin gut mit meiner kleinen Familie. 
Für den Moment bin ich einfach nur dankbar.

Sonntag, 11. Oktober 2020

6 Jahre

Der 6. Geburtstag der Jungs ist schon wieder über einen Monat her.

Auf seine ganz spezielle Art schön gewesen ist er, auch in diesem Jahr. Und anders, weil F. und ich es für keine gute Idee hielten, im Krankenhaus zu frühstücken.

Gegessen haben wir letztlich trotzdem, halt woanders.

Anders war auch der Nachmittag, wo ich mir weitgehend offen hielt, was ich eigentlich machen möchte. Mit meinem Mann und meinen Eltern war ich nachmittags auf dem Friedhof, mit Blümchen und Kerzen. Spontan haben wir dann doch noch Kaffee und Muffins bei uns verputzt, und erstaunlich viel über den Tod gesprochen. Das war schön.

Meine Mutter spürte auch, dass irgendwas anders ist. Las zu Hause meinen letzten Eintrag und freute sich riesig mit mir.

Es schwebte neue Hoffnung über diesem Geburtstag.

Die Zeit vergeht weiterhin schnell in diesem merkwürdigen Jahr.

Meine Freundin J. fragte mich letztens, wo ich gerade sei. Im Jahr 2014 oder im Jahr 2020?

Ich fand die Frage sehr klug, und musste gar nicht lange nachdenken. Ich bin im Hier und Jetzt. Mit einem halben Bein vielleicht sogar schon im nächsten Jahr.

Mich nerven die Nicht-Planbarkeiten. Die Coronazahlen steigen wieder, die Jobaussichten für meinen Mann sind weiter wackelig, ein muckeliges Weihnachten in Thüringen scheint mir gerade immer ferner. Probleme im Hier und Jetzt.

Und Zeit für meine Jungs bleibt da nur wenig. Auch das nervt mich, und ich schiebe gerade alles zusätzliche weit weg von mir. Unser angeschlagenes Auto, Probleme auf der Arbeit, komische Stimmungen.

Die Todestage stehen vor der Tür, und ich sehne mich gerade danach, einfach für mich zu sein, mit meinen Söhnen in Verbindung, fernab von Zeit und Raum und Erwartungen. Der 19.10. ist ein Montag, da habe ich eh frei, und am 29.10. werde ich mir eben frei nehmen.

Ich sehe innerlich nebelverhangene Felder, weite Wiesen, fahles Sonnenlicht vor mir, wenn ich an Erik und Paul denke. Werde ganz ruhig und dankbar ob des innerlichen Reichtums, den sie mir geschenkt haben.

Auf das Wesentliche besinnen. Wieder einmal. Einatmen. Ausatmen. Innehalten. Irgendwann weitergehen.

Sonntag, 30. August 2020

In meiner Kraft

In den letzten Wochen ist etwas Erstaunliches in mir passiert.
Ich kann gar nicht genau sagen, warum und wieso. Ein Knoten ist geplatzt. Trotz der derzeitigen immer noch total ungewissen Weltlage, ist da eine Kraft in mir aktiviert worden. Vielleicht zurück gekehrt, vielleicht neu entfacht. Egal.
Seit gut einem Jahr mache ich nun meine Traumatherapie auf körperbasiertem Ansatz.
Zusätzlich dazu einen Kurs, der in einem geschützten Rahmen von der selben Therapeutin begleitet wird.
Ich gebe zu, ich war erst etwas zurückhaltend, was meinen Enthusiasmus dafür anging - Gruppentermine, mit Ausnahme meiner Trauergruppe damals, taten mir manchmal im Nachhinein nicht gut und verwirrten mein inneres System nur noch mehr.

Ich habe ein großes Problem damit, mich allein gelassen zu fühlen in solchen Situationen. Nicht gut begleitet zu werden.

Die jetzigen Gruppentreffen verlaufen intuitiv, die Therapeutin hört gut hin und "schwingt mit", wo Spannungen auftauchen, fragt nach, hält und stützt.

Vor ein paar Wochen war ich plötzlich im Fokus. Ich war innerlich total aufgewühlt und -geregt. Es ging um das Thema Familie(ngründung), und das ging mir ganz furchtbar nah.
Ich habe mir früher immer eine eigene Familie gewünscht. Ich hatte eine eigene Familie. Ich wünsche mir immer noch Familie.

Letzteres war ein Schlüsselsatz für mich. Ich hatte einen möglichen Kinderwunsch total nach hinten geschoben.
Die Angst vor einer erneuten Schwangerschaft war übermächtig. "Noch einen Verlust verkrafte ich nicht."

Die Therapeutin spürte meine innere Aufruhr und fragte nach.
Ich schaffte es nicht, den anderen TeilnehmerInnen vom Verlust zu erzählen. Ich spürte, dass mein persönlicher Fokus nicht auf dem alten, sondern auf etwas neuem lag: Ich möchte (wieder) Familie.
(Meine Therapeutin weiß natürlich um Erik und Paul, just for the record ;))

Was dann folgte, war einfach nur krass: mir wurde quasi einstimmig vermittelt, dass ich die wärmste, weichste, mütterlichste Frau sei, die ihnen nur einfallen würde. Dass ich an meinem Traum festhalten solle, von meinem kleinen Bullerbü, von einer Gemeinschaft, die einander trägt.

Ich habe viel viel geweint an diesem Abend. Habe mich gestärkt gefühlt, gesehen gefühlt.
Meine Kraft, Dinge in die Hand zu nehmen, klar zu sein, zu wissen, was ich möchte - sie war plötzlich da, wie ein kleines Licht, das immer größer und größer wird.

Mein Mann fiel aus allen Wolken, als ich ihm sagte, dass ich nun gerne doch noch den Versuch wagen möchte, bevor wir komplett alt und tatterig sind. Aber die Lage der Welt..? Klimakrise...? Vielleicht hat er ab Anfang nächsten Jahres keinen Job mehr?! Ein Kind, JETZT?!? Aaahhh!

Okay, es ist die denkbar schlechteste Phase gerade, gesamtgesellschaftlich und individuell. Aber irgendwie ist mir das komplett egal.

Die Welt, mein Leben, unser Leben kann komplett den Bach runtergehen - ich hab es doch eh nicht in der Hand. Dann kann man auch einfach machen, was man will.

Und: meine persönlichen Bedingungen sind jetzt auch andere. Ich übe mich viel in Abgrenzung, beruflich, familiär. Auch da kann ich vieles nicht ändern, also mache ich es halt, wie es mir gut tut und soweit es mir gut tut.

Ich habe einen liebenden Mann, eine stärkende Familie, umsorgende Schwiegereltern. Immer noch die besten FreundInnen, die ich mir nur wünschen kann. Darauf vertraue ich. Und ich vertraue mir, dass ich gute und wohlmeinende Entscheidungen für mein und unser Leben treffen kann.

Das ist ein unglaubliches Geschenk für mich. Vertrauen. In mich. Vielleicht wird alles gut. Vielleicht wird es das auch nicht. Ich trage keine Schuld. Ich gehe nur meinen Weg.

Sonntag, 28. Juni 2020

Gebremst

2020, ey. Lange nicht mehr so gute persönliche Voraussetzungen gehabt für ein neues Jahr, und was kommt dann? Ne Pandemie.

Im März dachte ich eine Zeit lang, dass wir spätestens im Mai alle entweder krank oder tot, aber zumindest im trockenen Ödland um das letzte Benzin kämpfend dastehen.

Dann starben zum Glück, zumindest in Deutschland, vergleichsweise wenig Menschen an Corona, und statt Mad Max-mäßig mit geschorenen Häuptern rumzufahren wurde lieber um Klopapier gekämpft.

Es ist alles wieder etwas entspannter, ich war sogar mal live beim Yoga und unter Menschen, aber so richtig "vorbei" fühlt es sich für mich noch nicht an (und ist es wohl auch nicht).

Der Schreck sitzt mir noch zu tief in den Knochen, und es war krass zu erleben, dass ein weiteres Mal im Leben nichts sicher, planbar oder vorhersehbar ist.
Nun halt eben kollektiv.
Habe gelesen, dass es manchen Menschen mit psychischen Krankheiten teils besser ging, weil sie eben auf einmal nicht mehr gefühlt so allein waren mit ihren Ängsten und Sorgen.
Ging mir leider nicht so. Das hat sich alles ganz schön hochpotenziert.

Wenigstens rast das Jahr weiter schnell dahin. 2020, du hattest wirklich das Zeug dazu, ein tolles Jahr zu werden.

Jetzt wünsche ich mir, wieder einmal, nichts mehr, als dass meine Familie und meine Freunde gesund und munter und zuversichtlich bleiben.

Dienstag, 18. Februar 2020

In Bewegung

Der erste Monat des neuen Jahres ist wie im Flug vergangen, der zweite schon halb vorbei.
Das Jahr ist in Bewegung. ICH bin in Bewegung. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hab mir letztes Jahr im November schon einen Tanzkurs rausgesucht, um über die trübe Jahreszeit zu kommen, und das hat mir echt viel geholfen.
Führe ihn nun auch in diesem Jahr fort.
Habe TRE ausprobiert (Abkürzung für "Tension and Trauma Releasing Exercises") und das war auch richtig gut!
Frage mich, warum sowas nicht in der Schule gelehrt wird.

Zusätzlich bin ich immer noch bei meiner Tanztherapeutin für Einzelsitzungen, dort war ich jetzt am Wochenende auch auf einem Workshop. Das Thema war "Komm in deine Kraft", was gerade sehr gut zu meinen Themenfokus passte.

Eine der Teilnehmerinnen dort erzählte, dass sie dort wäre, um "ihr Yin zu stärken". Das fand ich irgendwie schön.
Überhaupt fand ich es sehr berührend, so unterschiedliche Frauen zu erleben, die alle auf dem Weg sind, zu sich selbst, zu mehr Kraft, mehr (Selbst)Vertrauen.

Und dann denke ich, dass das Leben, das so viele Menschen führen, so weit weg ist von dem, was eigentlich wichtig oder gar essentiell ist. 8 Stunden am Tag in irgendwelchen Jobs rumspringen, die sie nicht mögen, Beziehungen führen, nach Mustern leben, die ihnen nicht gut tun.

Dass ich rein durch Bewegung und vor allem Tanz wieder mehr ins Fühlen und zu mir komme, hätte ich so nicht für möglich gehalten. Da war immer der Wunsch in mir, das bloße "Gequatsche" mehr körperlich zu integrieren, aber mir fehlten die Ansätze.

"Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße". (Martin Walser)

Donnerstag, 2. Januar 2020

2020

Das Jahrzehnt, in dem meine Söhne geboren wurden, ist zuende gegangen.

Trotz dieses Umstandes, der mich verwirrt und auch ein wenig wehmütig macht, liegen schöne Tage hinter mir.

Weihnachten war toll! Die Dankbarkeit über meine lebendige Familie und meine Freunde, das Gefühl von Geborgenheit und dass das Hier und Jetzt gerade schön und sicher ist, waren vorherrschend.

Ich habe nochmal viel über mich gelernt im vergangenen Jahr. Habe in den letzten Tagen nochmal resümiert über die Jahre zuvor, über den Weg, den ich gegangen bin, über den Weg auf dem ich nun bin.

Nach vielen Höhen und Tiefen hat sich gerade sowas wie Zufriedenheit eingestellt. Ein Innehalten, vermischt mit Vorfreude auf ein neues Jahr. Werden meine Pläne aufgehen? Ein Umzug, ein schöner Urlaub...?
In den letzten Jahren, so hart sie auch oft waren, hat sich alles meist zum Guten gewendet.

Doch Zweifel und Ängste schlummern wachsam, bereit aus ihrer Deckung zu kriechen. 
Auch das darf sein und gehört zu meinem Leben. Schließlich habe ich es erlebt, am eigenen Körper, mit meinen eigenen Söhnen, dass alles ganz schnell und ganz unnachgiebig vorbei sein kann.

Auch wenn es widersprüchlich klingt, hilft mir dieses Wissen darum (inzwischen?), die Gegenwart mehr zu genießen und vor allem - wertzuschätzen.

Nichts ist selbstverständlich.

Auf diesem Pfad möchte ich weitergehen, in ein neues Jahr, mit meinen liebsten Menschen.
Auf ein gesundes und schönes Jahr 2020 für uns alle, die auf dem Weg sind!

Dienstag, 3. Dezember 2019

Brief an die Trauer

Liebe Trauer,

du bist nun schon viele Jahre in meinem Leben. Mal sehen wir uns häufiger, mal längere Zeit nur von weitem.
Ich kenne dich schon lange, aber immer nur vom Vorbeigehen.
Als du dann mit Wucht in mein Leben tratest, konnte ich dich erst überhaupt nicht leiden. War wütend auf dich.

Du hast mir all meine Kraft genommen, hast mich zu Boden gerungen. Wenn jemand am Boden liegt, dann lässt man eigentlich von ihm ab. Du bist geblieben. Meine Augen waren ohne Glanz in diesen Wochen, Monaten, als du immer bei mir warst.

Im folgenden Sommer warst du plötzlich auch mal verhindert, ich konnte aufstehen und der trübe Blick lichtete sich ein bisschen.
Ich versuchte, mich von dir loszumachen, aber du kamst doch immer wieder.
Deine Dominanz hast du allerdings Stück für Stück in den Griff bekommen.

Oder habe ich einfach gelernt, mich abzugrenzen?
Wir sind zu Gefährten geworden, du und ich.
Wir sind auf Augenhöhe.
Ich wehre mich nicht, wenn du kommst.
Und du gehst auch wieder, wenn du anderswo gebraucht wirst.

Ich habe verstanden, dass du mir nichts böses willst. Ich brauchte meine Zeit am Boden, um Kraft zu sammeln.
Ich brauchte und brauche die Tränen, die tiefe Traurigkeit, um danach wieder ein Stück weiter auf meinem Weg zu sein.

Ich bin dankbar, dass du auch deine anderen Freunde in mein Leben gebracht hast. Liebe und Zuversicht, Hoffnung und Mut.
Du bist eines der Bindeglieder zu meinen Söhnen, und dafür hab ich dich gern.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Kraft und Liebe und Dankbarkeit

Mein liebster kleiner Erik,

5 Jahre bist du nun schon nicht mehr bei mir.
Der 19. Oktober, ein trüber, trauriger Tag.
So viele haben an dich gedacht, haben mir Nachrichten geschickt. Tante J. hat sogar mit Klangschalen und Koshis für dich eine Sprachdatei aufgenommen.

Tante E. schrieb mir, dass sie viel Kraft und Liebe und Dankbarkeit schickt, dafür, dass es dich und deinen Bruder gegeben hat.

Und genau das empfand ich auch, an diesem Tag, in all seiner Untröstlichkeit.

Habe dir an eurem Grab ein kleines Gedicht von Rilke vorgelesen.
Dein Opa, Tante C. und Tante F. und natürlich mein M. standen mir zur Seite. Wir sind danach noch in einem benachbarten Wald spazieren gegangen, es regnete leicht, und trotzdem war es alles irgendwie schön und friedlich.
Im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen an einem kleinen Mühlbach, und dann sind wir wieder zurück gefahren.

Abends saß ich noch lange bei Kerzenschein auf dem Sofa, und dachte an den Abend vor 5 Jahren.
Dachte so fest an dich, wie ich dich im Arm hielt, wie draußen ein Sturm tobte.

Es ist und bleibt unfassbar für mich, dass du nicht bleiben konntest.
Dass ich dich nicht aufwachsen sehen darf.

Und gleichzeitig spüre ich die Verbindung zu dir, und in meinen dunkelsten Stunden hat die Liebe zu dir und zu deinem Bruder mich stets getragen.

Danke mein kleiner Schatz, für all die Kraft, die Liebe und die Dankbarkeit, die du mir in mein Leben gebracht hast.

Ich liebe dich, heute und für immer.

Freitag, 27. September 2019

Aus der Welt gefallen

Vorgestern habe ich einen Artikel in einer Frauenzeitschrift gelesen. Ich lag frisch gebadet und befrühstückt in einem ausladenden Hotelbett in Frankfurt und wollte es mir gut gehen lassen.
Eine Autorin, die ich immer gern gelesen habe und deren Schreibstil ich sehr mag, resümierte darin ihre erste Lebenshälfte. Sie ist nun Anfang 50 und erzählte über die Veränderungen, die das Leben so mitbringt.

Habe mich selten so wenig abgeholt gefühlt von einem Artikel. Ich las und las, und fühlte mich wie ein uralter nörgelnder Kritiker.
Mit Brille auf der Nase und geschürzten Lippen.
So so, das Leben in den 30ern, so unbeschwert! Und jetzt, mit über 50, überall Krankheit und Tod. Die eigenen Eltern, die alt und krank werden und sterben, die Fälle im Freundeskreis, die vor der Zeit Siechtum erfahren.
Ich ertappte mich dabei, wie ich diese Autorin beneidete. Über ihr wunderbares normales Leben, so wie es sein sollte.

Ich fühlte mich vor der Zeit gealtert.
Keine Unbeschwertheit, sondern Schwere.
Der Tod, der in mein Leben trat, und die Chronologie der Ereignisse komplett durcheinander warf.

Ich begriff, wieder einmal, dass ich nie haben würde, was sie hat. Ein ganz normales Leben, wie es unzählige führen dürfen.

Einige Tage zuvor hatte ich dieses Gefühl schon mal.
Ich betrachtete zwei meiner liebsten Freundinnen mit ihren Familien. Die beiden kennen sich schon seit Jugendtagen, und nun spielen ihre Kinder miteinander. Es war schön. Das Leben, wie es sein sollte.

Und daneben saß ich, und fühlte mich irgendwie aus dieser Welt gefallen.

Abends ging ich schlafen und dachte fast trotzig, dass ich ja aber auch zweifache Mutter bin.

Wieder in Frankfurt. Mein Mann und ich saßen am Mainufer, die Wolken dunkel und das Wetter nieselig.
100 prozentige vermeintliche Freiheit. Wir können tun und lassen, was wir wollen.
Und ich spürte vor allem wieder die Lücke.

Ich vermisse es so, Familie zu haben.
Vielleicht genau so, wie manche Menschen es vermissen, frei zu sein.

Ich würde diese Freiheit ohne mit der Wimper zu zucken aufgeben, wenn ich nur meine Jungs bei mir hätte.
Ich würde mit meinen Freundinnen im Garten sitzen, und unsere Kinder würden sich gegenseitig die Schippen über die Köpfe ziehen. Wir würden schimpfen und lachen und in unseren Kaffeetassen rumrühren.
Das Leben, wie es sein sollte.

Montag, 9. September 2019

5 Jahre

Die Zeit heilt keine Wunden.
Letzte Woche hätten Erik und Paul ihren 5. Geburtstag gehabt.

Das gleiche Prozedere wie in den Jahren zuvor. Morgens Krankenhaus, mittags zum Grab, nachmittags Kaffee und Kuchen.

Ich versuchte, in Verbindung zu meinen Jungs zu gehen. Leider bin ich da mittlerweile fast die Einzige.
Das fröhliche Geplapper meiner Mutter an der Kuchentafel hielt ich kaum aus. Auf ihre Nachfrage, ob mir nicht gut sei, fiel mir nur ein schwaches "Ich bin halt traurig" ein.

Betretenes Schweigen folgte.
Ich fühlte mich wie ein Trauermonster, das überall nur schlechte Stimmung verbreitet.

Ist es zu viel erwartet, dass man mich an einem solchen Tag fragt, wie es mir geht?
Und dann mit der Antwort umgehen muss?

Ja, ich weiß und verstehe, warum meine Familie ist, wie sie ist, und das meine Eltern nicht anders können, weil sie es nie anders gelernt haben. Und selbst so viel Schmerz erleben mussten und müssen und keiner für sie da war.

Aber offener Umgang ist bisher das einzige, was mir halbwegs hilft, mit allem klarzukommen.

Und so latze ich wieder F. zu, meine liebe Freundin, die eh schon so viel mit und von mir tragen musste.
Oder J. und E., bei denen ich ungefiltert alles rauslassen darf.
Und zu guter Letzt mein Mann, der mit dieser ganzen Scheiße streng genommen nicht mal was zu tun hat.

Ich bin wütend. Und traurig. Und so müde von der Welt.
Die Zeit heilt keine Wunden. Die Zeit zeigt nur alle Wunden.

Freitag, 23. August 2019

Drunter und drüber

Ach Leben, wie gemein du manchmal einfach bist.

Nach ein paar Tagen puscheliger Auszeit bei den Schwiegereltern hatte ich den Koffer am Montag noch nicht ganz ausgepackt, da trudelten die schlechten Neuigkeiten nur so ein.

Die Mutter hat Burn Out, der Opa väterlicherseits liegt nach einem Schlaganfall im Sterben, die kleine Schwester wurde von ihrem Freund verlassen.

Mittlerweile ist mein Opa gestorben, und als würde das gerade nicht eh alles reichen, erreichte mich heute die Nachricht, dass mein Bruder im Krankenhaus liegt.
Die Nieren arbeiten nicht richtig, und der Blutdruck ist viel zu hoch.

Echt jetzt, Schicksal?

Läuft das nun einfach so, Selbstfindung, kurz Durchatmen, und dann wieder BÄM, ins Gesicht?

Können wir als Familie wachsen, auch wenn wir stetig schrumpfen?

Wie kümmert man sich gut umeinander, wenn jeder am Limit ist?

Es hilft wohl (wieder) nur, in kleinen Schritten zu denken. Sich zusammenzurotten und das gemeinsam durchzustehen.
Und ruhig mal wütend zu sein und alles scheiße zu finden.

Mittwoch, 14. August 2019

Sortieren

Schon wieder August.

Letzte Woche hatte ich eine erste Session Traumatherapie. Dem körperlichen Ansatz folgend, habe ich mir jemanden ausgeguckt, der sogenanntes Somatic Experience anbietet.
Grob und laienhaft gesagt, wird da mit dem festsitzenden Trauma im Nervensystem gearbeitet.

Ich versuche so meiner Unruhe und dem Stress in mir auf die Spur zu kommen.
Habe ständig Probleme, die ich letztlich auf diesen Stress zurückführe. Kaputte Haut an den Händen, Schläfstörungen, immer wieder starke Ängste.

Es ist immer noch viel in Bewegung in mir. Ich bin labil und schnell "außer mir".

Vorgestern habe ich die letzte Folge der dritten Staffel Haus des Geldes geguckt, und war total überwältigt. Mir wurde heiß und kalt und schwindelig, und mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Es hat ein paar Minuten gedauert, bis ich wieder runterkam.
(Supertolle Serie! Aber eben auch sehr intensiv.)

Es ist toll, wenn ich mich selbst (wieder) so spüre. Aber auch beängstigend.
Wenn ich dann mal wieder so gefühlsintensive Phasen habe, kommt gleich alles hoch, gutes wie schlechtes.

Es ist und bleibt anstrengend.
Wie hart es ist, sich mit sich selber auseinanderzusetzen. Wie gut ich Leute verstehe, die das nicht tun oder tun wollen.

Aber ich sehe ein Ziel vor mir: mehr Lebensenergie, Lebensfreude, Achtsamkeit und Verbindung mit mir selbst.
Das alles wieder gut wird, erwarte ich gar nicht unbedingt.
Ich möchte mich "nur" im Hier und Jetzt wieder sicherer fühlen. 

Sonntag, 2. Juni 2019

Zusammenfädeln

Ausgehend von der "Alte Tanja vs. Neue Tanja"-Thematik ist in mir eine andere, neue Sichtweise gewachsen.

Ich habe in den vergangenen 2 Wochen viel Musik von "früher" gehört, habe mir Konzertmitschnitte angeschaut von "alten" Lieblingsbands, habe viel geweint im Angesicht von diesem "zu der Zeit war alles noch gut".

Was es ja gar nicht immer war, es war halt nur anders schlecht. Reparabler.
Ich war ja auch schon vorher irgendwer.

Und mir kam der Gedanke, diese ganzen Fäden irgendwie zusammen zu ziehen.
Nicht alt vs. neu aufzuwiegen. Es ist ja alles: Tanja.
Aus irgendeinem Grund war und ist dieser Prozess schmerzhaft.
Vielleicht ist es eine Form der Realitätsanerkennung?

Zumindest ist in meinem Unterbewusstsein der Bär los. Ich schlafe schlecht und träume unheimlich intensiv.
Bin die meiste Zeit total groggy und auch etwas motivationslos.

Sich dieses Jahr viel um mich selbst zu kümmern und mich mit mir auseinanderzusetzen setzt auch vieles frei.
Ist das gut, ist das schlecht? Muss ich es überhaupt bewerten?

Montag, 29. April 2019

Damals und heute

Es geht weiter im Roulette der Sinnsuche!
Nach Ostern bin ich krank geworden. Vielleicht der (positive) Stress der vergangenen Tage, sehr wahrscheinlich aber eher der Magen-Darm-Infekt, den mein Mann mit nach Hause brachte.

Und statt meine Ostersüßigkeiten aufzufuttern, hing ich lädiert auf dem Sofa rum, trank Tee und lutschte an trockenem Brot.
Langsam geht es mir glücklicherweise etwas besser, und ich genieße es sehr meine Zeit in der heimeligen Kissen-Decken-Wohnlandschaft zu verbringen, Superheldenfilme zu gucken und immer wieder wegzudösen.

Und es gab und gibt mir etwas Zeit, zu resümieren.
Ostern war echt so super! Die viele Zeit draußen, unter Menschen, raus aus der Komfortzone.
Unsere kleine Fellnase zu beerdigen, war nochmal traurig, aber wir haben es schön gemacht, finde ich.
Habe ihm noch einen Brief geschrieben und vorgelesen, und irgendwie "gut" getrauert. So unmittelbar und ganz intuitiv.

Und es blitzte eine kleine Idee auf, nicht für jetzt, aber irgendwann...?
Eine Trauerbegleiterin bei mir auf Arbeit ist freie Trauerrednerin, und entwirft und hält auf Trauerfeiern Reden für und über die Verstorbenen.
Mein (vorsichtiger) Plan ist ja, in 2 Jahren die Ausbildung zur Trauerbegleiterin zu machen, vielleicht kann ich dann so etwas anschließen...?
Kaum zu glauben, dass ich mal irgendwo freiwillig öffentlich reden möchte.

Von diesem Gedankengang ausgehend, fing ich an über mein "altes Ich" nachzudenken.
Wie viel "weiter" ich gekommen und geworden bin.
Als Jugendliche dachte ich immer, dass meine Persönlichkeit irgendwann fertig wäre und dann nichts mehr kommen könnte. Ich fand Veränderungen sehr abschreckend. Hatte einen groben Plan von mir, wie ich wohl bin, wenn ich "fertig" bin.

Interessanterweise komme ich immer näher an dieses (Wunsch)Bild heran, gerade durch die massiven Brüche und Veränderungen in meinem Leben.

Vor 10 Jahren wäre es für mich zum Beispiel auch undenkbar gewesen, mein Elternhaus eines Tages zu übernehmen.
Jetzt ist da ein wohliges Gefühl, wenn ich daran denke dort im Garten zu sitzen und Landluft zu atmen.

Manchmal entwickeln sich Perspektiven, die wir gar nicht auf dem Schirm haben.