Da war noch alles gut.
A. und ich waren bei Freunden und hatten Umstandskleidung und Babysachen geschenkt bekommen.
Anschließend gab es Spaghetti mit allemann und ich stellte mir vor, wie riesig dieser Bauch noch werden würde.
In den letzten Tagen gab es einen enormen Wachstumsschub und ich sah recht ähnlich aus wie meine Freundin F., die 10 Wochen weiter war. War bei ihr halt nur ein einzelnes Baby :-)
In der Nacht zum 5. September bin ich dann mit starken Schmerzen aufgewacht. Als noch Blut dazukam, rief A. einen Krankenwagen. Premiere für mich! Mit Blaulicht und Tatütata ging es ins Krankenhaus. Ich weiß noch, dass ich es etwas übertrieben fand, aber gleichzeitig hatte ich auch große Angst. Was, wenn doch etwas ernstes war...?
Ich wäre so gern als hysterische Erstschwangere wieder aus dem Krankenhaus marschiert.
Aber ich ging nirgendwohin. Der Muttermund stand fast vollständig offen, die Jungs waren geburtsbereit. Scheiße. SCHEISSE.
Kontrollfreak der ich bin, hatte ich mich schon vorab mit so ziemlich sämtlichen Szenarien auseinandergesetzt (ich konnte das Google-Verbot leider nie so ganz durchsetzen).
Aber Theorie und Praxis sind doch immer zwei Paar Schuhe. Und man denkt ja letztendlich nie, dass einem irgendwelche Horrorgeschichten selbst passieren.
Mein ganz persönlicher Horror ist eingetreten, eine extreme Frühgeburt mit ungewissen Ausgang.
In dem Stadium (offiziell 23. Woche, korrigiert auf 25. Woche) war die Grenze zur Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs gerade so eben erreicht. Was das konkret bedeutete - keine Ahnung.
Die Ärzte wollten ihr möglichstes tun, und um die bestmöglichen Chancen rauszuholen, wurden die beiden Jungs schließlich mittels Kaiserschnitt auf die Welt geholt.
Für eine PDA blieb keine Zeit, also gab es eine Vollnarkose, werdender Papa bitte draußen bleiben, Not-OP, bäm.
War das ein Scheißgefühl. Ich hab den Ablauf immer noch bildlich vor mir, der ganze Tag war wie ein wahrgewordener Albtraum. Nach der OP dann immerhin auf exklusiven Drogen.
Und die Jungs lebten! Nach ein paar Stunden durfte ich sie das erste Mal sehen. Sie waren winzig klein und wunderschön. Und sie hatten ziemlich witzige Mützchen auf.
Ich finde es unfassbar, dass das alles schon ein Jahr her ist. Und dass sie nicht mehr da sind.
Samstag, 5. September 2015
Freitag, 28. August 2015
Countdown
Noch 9 Mal schlafen. Habe das Gefühl, die Welt hat sich in den letzten Tagen etwas schneller gedreht als sonst.
Der Geburtstag von Erik und Paul steht vor der Tür. Die grobe Planung steht.
Vormittags möchte ich mit meiner lieben Freundin F. ins Krankenhaus fahren. Beim internen Bäcker dort einen Kaffee trinken. Vielleicht ein Brötchen mit Rührei essen. Wie oft habe ich das letztes Jahr gemacht!
Ich weiß nicht, wie das werden, wie es sich anfühlen wird. Es war ein spontaner Impuls. Den Ort aufzusuchen, an dem meine Söhne geboren und gestorben sind.
Anschließend möchte ich gern zum Friedhof. Da bin ich in letzter Zeit nicht besonders oft gewesen, und wenn, habe ich nur unproduktiv vor dem Grab gesessen, Gras ausgerupft und in die Blumen geweint.
Nachmittags können dann noch Familie und vielleicht 2, 3 Freunde vorbeikommen. Meine Schwester wird einen Kuchen backen und vielleicht gibt es noch einen kleinen "Kreativpart".
Hauptsache, nicht alleine sein.
Den Papa von Erik und Paul werde ich nicht sehen, er hat eigene Pläne und besorgt den beiden noch ein paar neue Steine.
Es bricht mir das Herz, den Geburtstag ohne die beiden Hauptpersonen zu feiern. Aus 4 mach 1. Da haben wir's wieder.
Ein Jahr. Ein verdammtes Jahr, das mein Leben in eine Million Teile zerfetzte und mir keine Anleitung für den Neuaufbau hinterlassen hat.
Die Leiterin meiner Selbsthilfegruppe hat mir mal folgendes geschrieben:"Wenn du bei dir selbst bleibst, dann wirst du dich in jeder neuen Situation finden." Das ist so einfach und genial, dass ich mir ihre Worte immer wieder gern durchlese.
Auch wenn es manchmal schwer zu leben ist.
Der Geburtstag von Erik und Paul steht vor der Tür. Die grobe Planung steht.
Vormittags möchte ich mit meiner lieben Freundin F. ins Krankenhaus fahren. Beim internen Bäcker dort einen Kaffee trinken. Vielleicht ein Brötchen mit Rührei essen. Wie oft habe ich das letztes Jahr gemacht!
Ich weiß nicht, wie das werden, wie es sich anfühlen wird. Es war ein spontaner Impuls. Den Ort aufzusuchen, an dem meine Söhne geboren und gestorben sind.
Anschließend möchte ich gern zum Friedhof. Da bin ich in letzter Zeit nicht besonders oft gewesen, und wenn, habe ich nur unproduktiv vor dem Grab gesessen, Gras ausgerupft und in die Blumen geweint.
Nachmittags können dann noch Familie und vielleicht 2, 3 Freunde vorbeikommen. Meine Schwester wird einen Kuchen backen und vielleicht gibt es noch einen kleinen "Kreativpart".
Hauptsache, nicht alleine sein.
Den Papa von Erik und Paul werde ich nicht sehen, er hat eigene Pläne und besorgt den beiden noch ein paar neue Steine.
Es bricht mir das Herz, den Geburtstag ohne die beiden Hauptpersonen zu feiern. Aus 4 mach 1. Da haben wir's wieder.
Ein Jahr. Ein verdammtes Jahr, das mein Leben in eine Million Teile zerfetzte und mir keine Anleitung für den Neuaufbau hinterlassen hat.
Die Leiterin meiner Selbsthilfegruppe hat mir mal folgendes geschrieben:"Wenn du bei dir selbst bleibst, dann wirst du dich in jeder neuen Situation finden." Das ist so einfach und genial, dass ich mir ihre Worte immer wieder gern durchlese.
Auch wenn es manchmal schwer zu leben ist.
Mittwoch, 12. August 2015
Hello darkness, my old friend
Einer dieser Abende.
Während ein Teil der Welt schon im Traum versunken ist, sitze ich mit einer Zigarette und einem Glas Wein auf dem Balkon, beobachte das Glimmen der Glut und versuche, an möglichst überhaupt nichts zu denken.
Funktioniert 3 Sekunden lang super, dann bricht die Dunkelheit einfach durch und ich lasse sie gewähren.
War ja klar, dass die Sommerpause irgendwann vorbei ist. Oder vielleicht auch nur eine Pause von der Pause einlegt.
Die letzten Wochen waren wunderbar, ich mag es gar nicht sagen oder aufschreiben, aber ich hab so unfassbar viel gutes erlebt und gemacht, dass ich manchmal einfach nur selig vor mich hinstarre und ein bisschen lächle.
Und diese vielen tollen Menschen in meinem Umfeld, die mit mir lachen, mit mir singen, mit mir auf Konzerte gehen, sich gepflegt mit mir betrinken und ihre Zigaretten teilen, mit mir Ausflüge machen, mir alberne Katzenvideos zeigen, mir beinahe täglich Mut zusprechen und mich einfach mal in den Arm nehmen.
Und gleichzeitig die aufkeimende Angst vor den nächsten Wochen, dem 5. September, der einfach näher rückt, ohne dass ich irgendwas dagegen machen könnte.
Angst vor den 55 Tagen Paralleluniversum, und gleichzeitig ein Funken Freude, weil es doch schließlich die Zeit in meinem Leben war, die ich mit meinen Söhnen verbringen durfte.
Es ist diese Ambivalenz, die sich zur Zeit so stark durch mein Leben zieht, wie noch nie zuvor.
Auf der einen Seite die hohen Berge, der Spaß, das Lachen. Auf der anderen Seite die tiefen Täler und Abgründe. Die Einsamkeit, die Leere, die stille Angst dass mein Leben einfach nie wieder annähernd normal wird.
Während ein Teil der Welt schon im Traum versunken ist, sitze ich mit einer Zigarette und einem Glas Wein auf dem Balkon, beobachte das Glimmen der Glut und versuche, an möglichst überhaupt nichts zu denken.
Funktioniert 3 Sekunden lang super, dann bricht die Dunkelheit einfach durch und ich lasse sie gewähren.
War ja klar, dass die Sommerpause irgendwann vorbei ist. Oder vielleicht auch nur eine Pause von der Pause einlegt.
Die letzten Wochen waren wunderbar, ich mag es gar nicht sagen oder aufschreiben, aber ich hab so unfassbar viel gutes erlebt und gemacht, dass ich manchmal einfach nur selig vor mich hinstarre und ein bisschen lächle.
Und diese vielen tollen Menschen in meinem Umfeld, die mit mir lachen, mit mir singen, mit mir auf Konzerte gehen, sich gepflegt mit mir betrinken und ihre Zigaretten teilen, mit mir Ausflüge machen, mir alberne Katzenvideos zeigen, mir beinahe täglich Mut zusprechen und mich einfach mal in den Arm nehmen.
Und gleichzeitig die aufkeimende Angst vor den nächsten Wochen, dem 5. September, der einfach näher rückt, ohne dass ich irgendwas dagegen machen könnte.
Angst vor den 55 Tagen Paralleluniversum, und gleichzeitig ein Funken Freude, weil es doch schließlich die Zeit in meinem Leben war, die ich mit meinen Söhnen verbringen durfte.
Es ist diese Ambivalenz, die sich zur Zeit so stark durch mein Leben zieht, wie noch nie zuvor.
Auf der einen Seite die hohen Berge, der Spaß, das Lachen. Auf der anderen Seite die tiefen Täler und Abgründe. Die Einsamkeit, die Leere, die stille Angst dass mein Leben einfach nie wieder annähernd normal wird.
Montag, 20. Juli 2015
Danke gut, und selbst?
Mich aus meiner Wohlfühlzone rauszubewegen ist bei mir einigermaßen mit Panik verbunden.
Letzte Woche war da dieses Ehemaligentreffen mit Firmenkollegen "von früher". 8 Jahre ist es her, dass ich den überwiegenden Teil davon gesehen habe.
Ich habe mir im Vornherein unheimlich viele Gedanken gemacht, wie das wohl werden wird.
Small Talk ist super, wenn man überwiegend smalles zu talken hat.
Meine Überlegung war dann, einfach den Gesprächsfaden zurückzureichen wenn es mir zu heikel wird. "Mein letztes Jahr lief nicht sehr gut, lass uns doch lieber von dir reden"
Werbebranche im weitesten Sinne, da funktioniert der Ansatz doch wohl 1A.
Es kamen zum Glück genau 0 Fragen zu heiklen Themen.
Nur das standardmäßige "Was machst du jetzt?" und da erzählte man einfach einen Schwank aus seinem Arbeitsleben und alle waren glücklich. Dazu ein Glas Wein und: es war ein sehr gelungener Abend.
Hatte dann dennoch ein interessantes Gespräch mit einer guten Kollegin/Freundin, mit der ich in den Jahren auch Kontakt gehalten habe.
Sie fragte mich nach meinem Freund und da kam ich dann doch ins erzählen (und schuld war doch nur der Wein).
Ich erzählte ihr von Erik und Paul und sie stellte eine sehr kluge Frage, die mich die letzten Tage beschäftigt hat: "Ist das alles real für dich?"
Wie kann so etwas nicht real sein? Aber ist es nicht schon so, dass man die Tatsache, dass die eigenen Kinder tot und begraben sind, zu einem Großteil der Zeit ausblenden MUSS, um nicht, naja, gänzlich verrückt zu werden? Wie lebt man damit? Ich bin selbst betroffen und kann es trotzdem nicht genau sagen.
Aber es hat bei mir einen Nerv getroffen, defintiv.
Meine Realität ist sehr abhängig davon, mit wem ich meine Zeit verbringe.
Ich fände es schön, wenn ich es irgendwann schaffe, Wohlfühlzone vs. Neue Leute besser zusammenzubringen.
Im Moment sind es noch Feldversuche, teilweise stoße ich den Menschen vor den Kopf, indem ich sie einfach ohne Vorwarnung konfrontiere.
Aber letztlich ist es mein Leben, dass ich mir ja schließlich auch nicht ausgesucht habe. Die anderen dürfen immerhin entscheiden, ob sie den Weg mit mir gehen wollen oder nicht.
Letzte Woche war da dieses Ehemaligentreffen mit Firmenkollegen "von früher". 8 Jahre ist es her, dass ich den überwiegenden Teil davon gesehen habe.
Ich habe mir im Vornherein unheimlich viele Gedanken gemacht, wie das wohl werden wird.
Small Talk ist super, wenn man überwiegend smalles zu talken hat.
Meine Überlegung war dann, einfach den Gesprächsfaden zurückzureichen wenn es mir zu heikel wird. "Mein letztes Jahr lief nicht sehr gut, lass uns doch lieber von dir reden"
Werbebranche im weitesten Sinne, da funktioniert der Ansatz doch wohl 1A.
Es kamen zum Glück genau 0 Fragen zu heiklen Themen.
Nur das standardmäßige "Was machst du jetzt?" und da erzählte man einfach einen Schwank aus seinem Arbeitsleben und alle waren glücklich. Dazu ein Glas Wein und: es war ein sehr gelungener Abend.
Hatte dann dennoch ein interessantes Gespräch mit einer guten Kollegin/Freundin, mit der ich in den Jahren auch Kontakt gehalten habe.
Sie fragte mich nach meinem Freund und da kam ich dann doch ins erzählen (und schuld war doch nur der Wein).
Ich erzählte ihr von Erik und Paul und sie stellte eine sehr kluge Frage, die mich die letzten Tage beschäftigt hat: "Ist das alles real für dich?"
Wie kann so etwas nicht real sein? Aber ist es nicht schon so, dass man die Tatsache, dass die eigenen Kinder tot und begraben sind, zu einem Großteil der Zeit ausblenden MUSS, um nicht, naja, gänzlich verrückt zu werden? Wie lebt man damit? Ich bin selbst betroffen und kann es trotzdem nicht genau sagen.
Aber es hat bei mir einen Nerv getroffen, defintiv.
Meine Realität ist sehr abhängig davon, mit wem ich meine Zeit verbringe.
Ich fände es schön, wenn ich es irgendwann schaffe, Wohlfühlzone vs. Neue Leute besser zusammenzubringen.
Im Moment sind es noch Feldversuche, teilweise stoße ich den Menschen vor den Kopf, indem ich sie einfach ohne Vorwarnung konfrontiere.
Aber letztlich ist es mein Leben, dass ich mir ja schließlich auch nicht ausgesucht habe. Die anderen dürfen immerhin entscheiden, ob sie den Weg mit mir gehen wollen oder nicht.
Dienstag, 30. Juni 2015
Aus 4 mach 1
Der Papa von Erik und Paul ist vor knapp 2 Wochen ausgezogen.
Unsere Beziehung hat den Tod der Kinder, die Trauer, die Wut, die Verzweiflung nicht überstanden.
Unsere Wege der Bewältigung waren derart verschieden, dass es an der Zeit war, die Notbremse zu ziehen.
Ich habe von einigen meiner neuen Bekannt- und Freundschaften im Verwaiste-Eltern-Kreis von bösen Streitigkeiten und vielfältigen Verletzungen auf emotionaler Ebene gehört. Überwiegend vormals glückliche Happy-Peppy-Pärchen.
Entweder die Trauer um die gemeinsamen Kinder schweißt einen noch enger zusammen, oder sie lässt die Liebe entzwei brechen.
Ich bin traurig, aber es kam nicht überraschend. Seit vielen Monaten kämpften wir mal mehr, mal weniger aufrichtig um unsere Beziehung.
Eine liebe Kollegin formulierte neulich sinngemäß "Letztes Jahr wart ihr noch zu viert, nun bist du wieder zu einst." Darüber habe ich lange nachgedacht.
Es tut weh, wenn man von dem Menschen, mit dem man am engsten an dieses Schicksal gebunden ist, nicht die Geborgenheit erfahren kann, die man so dringend bräuchte.
Aber es zwingt mich auch, neue Wege zu gehen. Bekanntschaften auszubauen, Freundschaften zu vertiefen. Geborgenheit im Kreise von Familie und Freunden zuzulassen.
Rauszugehen in eine Welt, die ich grad viel zu groß, viel zu laut und viel zu hell empfinde.
Danke A., für 4 schöne und 1 bescheidenes gemeinsames Jahr.
Ich hoffe, du findest deinen Weg.
Unsere Beziehung hat den Tod der Kinder, die Trauer, die Wut, die Verzweiflung nicht überstanden.
Unsere Wege der Bewältigung waren derart verschieden, dass es an der Zeit war, die Notbremse zu ziehen.
Ich habe von einigen meiner neuen Bekannt- und Freundschaften im Verwaiste-Eltern-Kreis von bösen Streitigkeiten und vielfältigen Verletzungen auf emotionaler Ebene gehört. Überwiegend vormals glückliche Happy-Peppy-Pärchen.
Entweder die Trauer um die gemeinsamen Kinder schweißt einen noch enger zusammen, oder sie lässt die Liebe entzwei brechen.
Ich bin traurig, aber es kam nicht überraschend. Seit vielen Monaten kämpften wir mal mehr, mal weniger aufrichtig um unsere Beziehung.
Eine liebe Kollegin formulierte neulich sinngemäß "Letztes Jahr wart ihr noch zu viert, nun bist du wieder zu einst." Darüber habe ich lange nachgedacht.
Es tut weh, wenn man von dem Menschen, mit dem man am engsten an dieses Schicksal gebunden ist, nicht die Geborgenheit erfahren kann, die man so dringend bräuchte.
Aber es zwingt mich auch, neue Wege zu gehen. Bekanntschaften auszubauen, Freundschaften zu vertiefen. Geborgenheit im Kreise von Familie und Freunden zuzulassen.
Rauszugehen in eine Welt, die ich grad viel zu groß, viel zu laut und viel zu hell empfinde.
Danke A., für 4 schöne und 1 bescheidenes gemeinsames Jahr.
Ich hoffe, du findest deinen Weg.
Montag, 8. Juni 2015
Das Trauma und ich
Wir Eltern haben also ein Trauma erlitten. So sagt man es uns.
Hier sitze ich nun und schreibe aus meinem Trauma heraus.
Wieso denn eigentlich Trauma? Geht es mir nicht eigentlich recht gut?
Hey, ich geh arbeiten, gehe unter Leute, fliege sogar in fremde Länder!
Ich fürchte langsam, so einfach ist es nicht.
Ich fühle mich so... verändert.
Und jedes Mal, wenn ich mir selbst erzähle "Ist doch alles ok! Du machst das doch ziemlich gut alles!" schleicht sich wenige Stunden oder Tage später der Schatten wieder von hinten an und legt sich über mich.
Der Verlust der eigenen Kinder ist das Schlimmste, was man erleben kann.
Ich habe den Satz viele Male gehört (vorzugsweise von Therapeuten) und er geht mir oft im Kopf herum.
Ich habe also das Schlimmste erlebt.
Der Körper und der Geist sind schon ziemlich ausgebufft. Die lassen solche Sätze nämlich gar nicht erst an mich ran. Ich fühle mich seltsam unbeteiligt.
Das fing schon mit Eriks Tod an. Plötzlich stehen da erschütterte Ärzte und Schwestern, die einem kondolieren. Ich weiß noch, wie völlig abstrakt ich das gefunden habe.
"Es tut mir so Leid!" Hä, wie bitte?
Ich hab es überhaupt nicht gecheckt. Habe nicht im Inneresten gespürt, im System quasi, was da passiert ist.
Pauls Tod hab ich dann erst recht nicht begriffen.
Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich ganz am Anfang stehe. Dass die Verarbeitung gerade erst anfängt. Wobei, das ist nicht ganz richtig. Ich bin viel in innerer Bewegung.
Und ich finde den Gedanken absurd anzunehmen, dass man nach einem halben Jahr "drüber weg" ist. Oder nach einem ganzen Jahr.
Die Zeit im letzten Jahr ist mir noch so präsent, und gleichzeitig unheimlich weit weg.
Wie sehr graut mir vor dem 1. Geburtstag und den 1. Todestagen.
Dienstag, 2. Juni 2015
Im Wechsel der Jahreszeiten
Erik und Paul sind auf einem kleinen Friedhof bei uns in der Nähe bestattet worden.
Sie haben einen eigenen Grabplatz, der mir sehr wichtig geworden ist.
Nach einem richtig schlimmen Tag komme ich fast schon gerne dorthin und kann in Ruhe meinen Gedanken nachhängen, mit ihnen sprechen und mich ordentlich leer weinen.
Und an schönen Tagen zieht es mich dort ebenso häufig hin. Dann schaue ich dem Wind in den Windspielen zu, lass mich von der Sonne kitzeln und freue mich, dass die beiden da waren.
Nun sind wir beiden Elternteile nicht gerade mit dem grünen Daumen gesegnet, aber im Laufe der Monate haben wir ein paar erste Ideen entwickelt.
Wenn es rein nach dem Papa gegangen wäre, hätten wir ein Wikingergrab, über und über mit Steinen bedeckt. Auch schön, aber irgendwie wenig kindgerecht. Fand ich.
Unbeirrt ist er nicht nur einmal nach Rügen gefahren und kam dort mit kiloweise Hühnergöttern zurück. Wir fanden also einen Kompromiss und unsere Version eines Sommergrabs (die Blumen proudly presented by Oma D.) sieht nun so aus:
Im Winter deckt man Gräber ab, wie wir neu gelernt haben und das sah dann so aus:
Als der Frühling kam, verschwanden die Tannenzweige und wir wagten eine erste zarte Bepflanzung:
Viel tun können wir leider nicht mehr für unsere Kinder. Es tut gut, wenigstens im Kleinen etwas schaffen zu dürfen, und wenn es nur die kurze Freude über kleine Albernheiten wie ein niedlicher Pilz mit Gesicht oder ein Mitbringsel aus dem Urlaub ist.
Sie haben einen eigenen Grabplatz, der mir sehr wichtig geworden ist.
Nach einem richtig schlimmen Tag komme ich fast schon gerne dorthin und kann in Ruhe meinen Gedanken nachhängen, mit ihnen sprechen und mich ordentlich leer weinen.
Und an schönen Tagen zieht es mich dort ebenso häufig hin. Dann schaue ich dem Wind in den Windspielen zu, lass mich von der Sonne kitzeln und freue mich, dass die beiden da waren.
Nun sind wir beiden Elternteile nicht gerade mit dem grünen Daumen gesegnet, aber im Laufe der Monate haben wir ein paar erste Ideen entwickelt.
Wenn es rein nach dem Papa gegangen wäre, hätten wir ein Wikingergrab, über und über mit Steinen bedeckt. Auch schön, aber irgendwie wenig kindgerecht. Fand ich.
Unbeirrt ist er nicht nur einmal nach Rügen gefahren und kam dort mit kiloweise Hühnergöttern zurück. Wir fanden also einen Kompromiss und unsere Version eines Sommergrabs (die Blumen proudly presented by Oma D.) sieht nun so aus:
Im Winter deckt man Gräber ab, wie wir neu gelernt haben und das sah dann so aus:
Als der Frühling kam, verschwanden die Tannenzweige und wir wagten eine erste zarte Bepflanzung:
Viel tun können wir leider nicht mehr für unsere Kinder. Es tut gut, wenigstens im Kleinen etwas schaffen zu dürfen, und wenn es nur die kurze Freude über kleine Albernheiten wie ein niedlicher Pilz mit Gesicht oder ein Mitbringsel aus dem Urlaub ist.
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