Hallo Erik, mein kleiner Schatz.
Dieser grauenhafte Tag, an dem dein Papa und ich dich gehen lassen mussten, ist nun ein Jahr her.
Die vergangene Zeit wirkt wie ein Wimpernschlag, und gleichzeitig ist eine Ewigkeit vergangen.
Kleiner Mann, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke.
An dein wunderhübsches Gesicht, deine kleinen Händchen, die ich so gerne gehalten habe.
Deine Füßchen, die du so gern massiert bekommen hast.
Ich hätte dich fressen können, weil ich dich so süß fand.
Schon im Bauch hast du den größeren Rabatz gemacht, und auch außerhalb warst du mein Sonnenschein und mein Sorgenkind zugleich.
Ich habe es lange nicht wahrhaben wollen, dass es dir so schlecht geht.
Die erste Darm-OP, der künstliche Ausgang, das schaffen wir schon, und irgendwann ist all das Schlimme vergessen und du und dein Bruder seid zu Hause und wir holen das ganze Kuscheln und Küssen nach.
Ich hab dir das oft versprochen, habe dir von deinen Omas und deinem Opa erzählt und deinen Tanten und Onkeln und Freunden der Familie, die dich alle so gern kennenlernen wollten.
Ich habe mir so sehr das Leben für dich gewünscht und es bricht mir das Herz, dass du nicht mehr da bist.
Du hast gekämpft und gelitten und es erscheint mir so umsonst und ungerecht, dass du den Kampf verloren hast.
Wir durften dich 45 Tage bei uns haben, und ich hoffe du hast gespürt, wie sehr du geliebt wurdest.
Eines Tages sehen wir uns wieder, daran glaube ich ganz fest.
Bis dahin versuche ich hier auf Erden noch ein bisschen was rauszuholen, zu leben und zu lachen und zu lieben, so doll es nur geht.
Und du hab viel Spaß mit deinem Brüderchen, wo auch immer ihr gerade rumflitzt!
Ich liebe dich, heute und für immer.
Deine Mama
Montag, 19. Oktober 2015
Freitag, 9. Oktober 2015
Die Zeit steht still
Es wird allmählich immer früher dunkel.
Nach einigen herbstgoldenen Tagen ist es kalt und ungemütlich geworden.
Meine Lieblingszutaten dieser Tage: Sofa, Kuscheldecke und Filme.
Die Tür zur Paralleldimension Frühchenintensivstation steht weit offen und es ist, als würde ich die Zeit von vor einem Jahr nochmal durchleben. Nur mit zeitlichem Abstand.
Was es nicht unbedingt leichter macht. So oft wurde uns Eltern damals von Freunden gesagt, "Wie haltet ihr das bloß aus!" Und nun lese ich meine Tagebucheinträge aus dem letzten Jahr und weiß keine Antwort darauf.
Die ersten 2 Wochen waren so voller Hoffnung, voller hormoneller Verblendung. Und selbst als es immer schlechter um Erik und Paul stand, wollte ich es nicht wahrhaben.
Der Tod war überhaupt keine Option für mich. Schade, dass mich das Schicksal nicht gefragt hat. Dass ich so unendlich machtlos war.
Jeden Tag am jeweiligen Brutkasten zu stehen, zu hoffen und zu bangen... und die beiden so sehr zu lieben.
In der Essecke hängt noch immer das Bild von Paul, dass uns Schwester Annkathrin geschenkt hat. Am 10. Oktober hatte er "Mehltütenfest", da wog er erstmals über 1 Kilogramm.
Wie eingebrannt in mein Herz sind die Worte "Dank eurer Hilfe und Liebe, werde ich auch die nächste Gewichtsetappe schaffen."
Es rührt mich immer noch so sehr, dass alle an unsere Jungs geglaubt und das Beste für sie gehofft haben. Leider blieb das Wunder einfach aus. Zwei kleine Lichter, die erloschen, bevor sie jemals richtig brennen durften.
Nach einigen herbstgoldenen Tagen ist es kalt und ungemütlich geworden.
Meine Lieblingszutaten dieser Tage: Sofa, Kuscheldecke und Filme.
Die Tür zur Paralleldimension Frühchenintensivstation steht weit offen und es ist, als würde ich die Zeit von vor einem Jahr nochmal durchleben. Nur mit zeitlichem Abstand.
Was es nicht unbedingt leichter macht. So oft wurde uns Eltern damals von Freunden gesagt, "Wie haltet ihr das bloß aus!" Und nun lese ich meine Tagebucheinträge aus dem letzten Jahr und weiß keine Antwort darauf.
Die ersten 2 Wochen waren so voller Hoffnung, voller hormoneller Verblendung. Und selbst als es immer schlechter um Erik und Paul stand, wollte ich es nicht wahrhaben.
Der Tod war überhaupt keine Option für mich. Schade, dass mich das Schicksal nicht gefragt hat. Dass ich so unendlich machtlos war.
Jeden Tag am jeweiligen Brutkasten zu stehen, zu hoffen und zu bangen... und die beiden so sehr zu lieben.
In der Essecke hängt noch immer das Bild von Paul, dass uns Schwester Annkathrin geschenkt hat. Am 10. Oktober hatte er "Mehltütenfest", da wog er erstmals über 1 Kilogramm.
Wie eingebrannt in mein Herz sind die Worte "Dank eurer Hilfe und Liebe, werde ich auch die nächste Gewichtsetappe schaffen."
Es rührt mich immer noch so sehr, dass alle an unsere Jungs geglaubt und das Beste für sie gehofft haben. Leider blieb das Wunder einfach aus. Zwei kleine Lichter, die erloschen, bevor sie jemals richtig brennen durften.
Freitag, 11. September 2015
1 Jahr alt
Da kam er also.
Dieser eine schon im Vorfeld kritisch beäugte und viel beweinte Tag, 5. September.
Der erste Blick aus dem Fenster: enttäuschend! Der Himmel grau, und es nieselte.
Bisher waren alle wichtigen Tage im Leben von Erik und Paul mit blauem Himmel und Sonnenschein ausgestattet gewesen.
Wahrscheinlich war dort oben einfach viel wütender Rabatz - so hatte ich mir den 1. Geburtstag meiner Söhne schließlich auch nicht vorgestellt.
F. holte mich gegen 9 Uhr von zu Hause ab und wir fuhren ins Krankenhaus.
Ich war - sehr - froh, dass sie sich bereit erklärt hatte mitzukommen, alleine wäre ich nämlich noch vor der Parkplatzschranke direkt wieder umgekehrt.
Ich bin ja eigentlich Fan von so ein bisschen Konfrontationstherapie, und so war es dann auch richtig und wichtig, dort zu sein, als um 9:45 und 9:46 die imaginären Kopfglocken läuteten und die Geburtsstunde von Erik und Paul gekommen war. Wir haben ziemlich viel geweint, einen ziemlich großen Caramellmacciato getrunken und Rührei und Heidelbeerkuchen gegessen.
Anschließend ging es dann zu mir und ich hab noch ein paar Muffins gebacken und wir guckten uns Fotos der Jungs an und redeten über die beiden.
Gegen Mittag brachen wir zum Friedhof auf, wo schon mein Vater, meine Schwester und B. warteten, die extra aus dem fernen Bayern angereist war. Dort gab es dann am Grab ein bisschen innere Einkehr und wir stießen mit Sekt auf die beiden kleinen Männer an.
Ich will da nicht zwingend Verknüpfungen ziehen, aber als ein Schwung Sekt vor mir auf der Wiese landete (eingießen will gelernt sein!) klarte der Himmel etwas auf und die Sonne schob sich durch die Wolkendecke. Hallo Jungs!
Dann fuhren wir wieder zu mir nach Hause wo es Kaffee und Kuchen gab, I. stieß auch dazu und mit dem schönen Wetter wurde auch die Stimmung allmählich heller und wir haben viel gequatscht und gelacht, was einfach schön war.
Am frühen Abend ging es dann weiter zu F. und ihrer Familie, ich hatte mir gewünscht nicht allein zu sein und mich kurzerhand dort eingeladen (kommt ja nicht SO oft vor :D huhu Zweitwohnsitz!).
Ich bin sehr stolz dass wir das alle so prima gemeistert haben an diesem schlimmen, schönen und traurigen Tag.
Einen Geburtstag ohne die Geburtstagskinder zu feiern ist irgendwie nicht richtig.
Aber ich bin abermals froh, dass ich so unfassbar tolle Menschen um mich herum habe, die immer noch mit mir lachen, mit mir weinen, sich nicht abschrecken lassen und den steinigen Weg mit mir gehen, komme was wolle.
Auf Erik und Paul, und auf uns alle!
Am frühen Abend ging es dann weiter zu F. und ihrer Familie, ich hatte mir gewünscht nicht allein zu sein und mich kurzerhand dort eingeladen (kommt ja nicht SO oft vor :D huhu Zweitwohnsitz!).
Ich bin sehr stolz dass wir das alle so prima gemeistert haben an diesem schlimmen, schönen und traurigen Tag.
Einen Geburtstag ohne die Geburtstagskinder zu feiern ist irgendwie nicht richtig.
Aber ich bin abermals froh, dass ich so unfassbar tolle Menschen um mich herum habe, die immer noch mit mir lachen, mit mir weinen, sich nicht abschrecken lassen und den steinigen Weg mit mir gehen, komme was wolle.
Auf Erik und Paul, und auf uns alle!
Samstag, 5. September 2015
Heute vor einem Jahr
Da war noch alles gut.
A. und ich waren bei Freunden und hatten Umstandskleidung und Babysachen geschenkt bekommen.
Anschließend gab es Spaghetti mit allemann und ich stellte mir vor, wie riesig dieser Bauch noch werden würde.
In den letzten Tagen gab es einen enormen Wachstumsschub und ich sah recht ähnlich aus wie meine Freundin F., die 10 Wochen weiter war. War bei ihr halt nur ein einzelnes Baby :-)
In der Nacht zum 5. September bin ich dann mit starken Schmerzen aufgewacht. Als noch Blut dazukam, rief A. einen Krankenwagen. Premiere für mich! Mit Blaulicht und Tatütata ging es ins Krankenhaus. Ich weiß noch, dass ich es etwas übertrieben fand, aber gleichzeitig hatte ich auch große Angst. Was, wenn doch etwas ernstes war...?
Ich wäre so gern als hysterische Erstschwangere wieder aus dem Krankenhaus marschiert.
Aber ich ging nirgendwohin. Der Muttermund stand fast vollständig offen, die Jungs waren geburtsbereit. Scheiße. SCHEISSE.
Kontrollfreak der ich bin, hatte ich mich schon vorab mit so ziemlich sämtlichen Szenarien auseinandergesetzt (ich konnte das Google-Verbot leider nie so ganz durchsetzen).
Aber Theorie und Praxis sind doch immer zwei Paar Schuhe. Und man denkt ja letztendlich nie, dass einem irgendwelche Horrorgeschichten selbst passieren.
Mein ganz persönlicher Horror ist eingetreten, eine extreme Frühgeburt mit ungewissen Ausgang.
In dem Stadium (offiziell 23. Woche, korrigiert auf 25. Woche) war die Grenze zur Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs gerade so eben erreicht. Was das konkret bedeutete - keine Ahnung.
Die Ärzte wollten ihr möglichstes tun, und um die bestmöglichen Chancen rauszuholen, wurden die beiden Jungs schließlich mittels Kaiserschnitt auf die Welt geholt.
Für eine PDA blieb keine Zeit, also gab es eine Vollnarkose, werdender Papa bitte draußen bleiben, Not-OP, bäm.
War das ein Scheißgefühl. Ich hab den Ablauf immer noch bildlich vor mir, der ganze Tag war wie ein wahrgewordener Albtraum. Nach der OP dann immerhin auf exklusiven Drogen.
Und die Jungs lebten! Nach ein paar Stunden durfte ich sie das erste Mal sehen. Sie waren winzig klein und wunderschön. Und sie hatten ziemlich witzige Mützchen auf.
Ich finde es unfassbar, dass das alles schon ein Jahr her ist. Und dass sie nicht mehr da sind.
A. und ich waren bei Freunden und hatten Umstandskleidung und Babysachen geschenkt bekommen.
Anschließend gab es Spaghetti mit allemann und ich stellte mir vor, wie riesig dieser Bauch noch werden würde.
In den letzten Tagen gab es einen enormen Wachstumsschub und ich sah recht ähnlich aus wie meine Freundin F., die 10 Wochen weiter war. War bei ihr halt nur ein einzelnes Baby :-)
In der Nacht zum 5. September bin ich dann mit starken Schmerzen aufgewacht. Als noch Blut dazukam, rief A. einen Krankenwagen. Premiere für mich! Mit Blaulicht und Tatütata ging es ins Krankenhaus. Ich weiß noch, dass ich es etwas übertrieben fand, aber gleichzeitig hatte ich auch große Angst. Was, wenn doch etwas ernstes war...?
Ich wäre so gern als hysterische Erstschwangere wieder aus dem Krankenhaus marschiert.
Aber ich ging nirgendwohin. Der Muttermund stand fast vollständig offen, die Jungs waren geburtsbereit. Scheiße. SCHEISSE.
Kontrollfreak der ich bin, hatte ich mich schon vorab mit so ziemlich sämtlichen Szenarien auseinandergesetzt (ich konnte das Google-Verbot leider nie so ganz durchsetzen).
Aber Theorie und Praxis sind doch immer zwei Paar Schuhe. Und man denkt ja letztendlich nie, dass einem irgendwelche Horrorgeschichten selbst passieren.
Mein ganz persönlicher Horror ist eingetreten, eine extreme Frühgeburt mit ungewissen Ausgang.
In dem Stadium (offiziell 23. Woche, korrigiert auf 25. Woche) war die Grenze zur Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibs gerade so eben erreicht. Was das konkret bedeutete - keine Ahnung.
Die Ärzte wollten ihr möglichstes tun, und um die bestmöglichen Chancen rauszuholen, wurden die beiden Jungs schließlich mittels Kaiserschnitt auf die Welt geholt.
Für eine PDA blieb keine Zeit, also gab es eine Vollnarkose, werdender Papa bitte draußen bleiben, Not-OP, bäm.
War das ein Scheißgefühl. Ich hab den Ablauf immer noch bildlich vor mir, der ganze Tag war wie ein wahrgewordener Albtraum. Nach der OP dann immerhin auf exklusiven Drogen.
Und die Jungs lebten! Nach ein paar Stunden durfte ich sie das erste Mal sehen. Sie waren winzig klein und wunderschön. Und sie hatten ziemlich witzige Mützchen auf.
Ich finde es unfassbar, dass das alles schon ein Jahr her ist. Und dass sie nicht mehr da sind.
Freitag, 28. August 2015
Countdown
Noch 9 Mal schlafen. Habe das Gefühl, die Welt hat sich in den letzten Tagen etwas schneller gedreht als sonst.
Der Geburtstag von Erik und Paul steht vor der Tür. Die grobe Planung steht.
Vormittags möchte ich mit meiner lieben Freundin F. ins Krankenhaus fahren. Beim internen Bäcker dort einen Kaffee trinken. Vielleicht ein Brötchen mit Rührei essen. Wie oft habe ich das letztes Jahr gemacht!
Ich weiß nicht, wie das werden, wie es sich anfühlen wird. Es war ein spontaner Impuls. Den Ort aufzusuchen, an dem meine Söhne geboren und gestorben sind.
Anschließend möchte ich gern zum Friedhof. Da bin ich in letzter Zeit nicht besonders oft gewesen, und wenn, habe ich nur unproduktiv vor dem Grab gesessen, Gras ausgerupft und in die Blumen geweint.
Nachmittags können dann noch Familie und vielleicht 2, 3 Freunde vorbeikommen. Meine Schwester wird einen Kuchen backen und vielleicht gibt es noch einen kleinen "Kreativpart".
Hauptsache, nicht alleine sein.
Den Papa von Erik und Paul werde ich nicht sehen, er hat eigene Pläne und besorgt den beiden noch ein paar neue Steine.
Es bricht mir das Herz, den Geburtstag ohne die beiden Hauptpersonen zu feiern. Aus 4 mach 1. Da haben wir's wieder.
Ein Jahr. Ein verdammtes Jahr, das mein Leben in eine Million Teile zerfetzte und mir keine Anleitung für den Neuaufbau hinterlassen hat.
Die Leiterin meiner Selbsthilfegruppe hat mir mal folgendes geschrieben:"Wenn du bei dir selbst bleibst, dann wirst du dich in jeder neuen Situation finden." Das ist so einfach und genial, dass ich mir ihre Worte immer wieder gern durchlese.
Auch wenn es manchmal schwer zu leben ist.
Der Geburtstag von Erik und Paul steht vor der Tür. Die grobe Planung steht.
Vormittags möchte ich mit meiner lieben Freundin F. ins Krankenhaus fahren. Beim internen Bäcker dort einen Kaffee trinken. Vielleicht ein Brötchen mit Rührei essen. Wie oft habe ich das letztes Jahr gemacht!
Ich weiß nicht, wie das werden, wie es sich anfühlen wird. Es war ein spontaner Impuls. Den Ort aufzusuchen, an dem meine Söhne geboren und gestorben sind.
Anschließend möchte ich gern zum Friedhof. Da bin ich in letzter Zeit nicht besonders oft gewesen, und wenn, habe ich nur unproduktiv vor dem Grab gesessen, Gras ausgerupft und in die Blumen geweint.
Nachmittags können dann noch Familie und vielleicht 2, 3 Freunde vorbeikommen. Meine Schwester wird einen Kuchen backen und vielleicht gibt es noch einen kleinen "Kreativpart".
Hauptsache, nicht alleine sein.
Den Papa von Erik und Paul werde ich nicht sehen, er hat eigene Pläne und besorgt den beiden noch ein paar neue Steine.
Es bricht mir das Herz, den Geburtstag ohne die beiden Hauptpersonen zu feiern. Aus 4 mach 1. Da haben wir's wieder.
Ein Jahr. Ein verdammtes Jahr, das mein Leben in eine Million Teile zerfetzte und mir keine Anleitung für den Neuaufbau hinterlassen hat.
Die Leiterin meiner Selbsthilfegruppe hat mir mal folgendes geschrieben:"Wenn du bei dir selbst bleibst, dann wirst du dich in jeder neuen Situation finden." Das ist so einfach und genial, dass ich mir ihre Worte immer wieder gern durchlese.
Auch wenn es manchmal schwer zu leben ist.
Mittwoch, 12. August 2015
Hello darkness, my old friend
Einer dieser Abende.
Während ein Teil der Welt schon im Traum versunken ist, sitze ich mit einer Zigarette und einem Glas Wein auf dem Balkon, beobachte das Glimmen der Glut und versuche, an möglichst überhaupt nichts zu denken.
Funktioniert 3 Sekunden lang super, dann bricht die Dunkelheit einfach durch und ich lasse sie gewähren.
War ja klar, dass die Sommerpause irgendwann vorbei ist. Oder vielleicht auch nur eine Pause von der Pause einlegt.
Die letzten Wochen waren wunderbar, ich mag es gar nicht sagen oder aufschreiben, aber ich hab so unfassbar viel gutes erlebt und gemacht, dass ich manchmal einfach nur selig vor mich hinstarre und ein bisschen lächle.
Und diese vielen tollen Menschen in meinem Umfeld, die mit mir lachen, mit mir singen, mit mir auf Konzerte gehen, sich gepflegt mit mir betrinken und ihre Zigaretten teilen, mit mir Ausflüge machen, mir alberne Katzenvideos zeigen, mir beinahe täglich Mut zusprechen und mich einfach mal in den Arm nehmen.
Und gleichzeitig die aufkeimende Angst vor den nächsten Wochen, dem 5. September, der einfach näher rückt, ohne dass ich irgendwas dagegen machen könnte.
Angst vor den 55 Tagen Paralleluniversum, und gleichzeitig ein Funken Freude, weil es doch schließlich die Zeit in meinem Leben war, die ich mit meinen Söhnen verbringen durfte.
Es ist diese Ambivalenz, die sich zur Zeit so stark durch mein Leben zieht, wie noch nie zuvor.
Auf der einen Seite die hohen Berge, der Spaß, das Lachen. Auf der anderen Seite die tiefen Täler und Abgründe. Die Einsamkeit, die Leere, die stille Angst dass mein Leben einfach nie wieder annähernd normal wird.
Während ein Teil der Welt schon im Traum versunken ist, sitze ich mit einer Zigarette und einem Glas Wein auf dem Balkon, beobachte das Glimmen der Glut und versuche, an möglichst überhaupt nichts zu denken.
Funktioniert 3 Sekunden lang super, dann bricht die Dunkelheit einfach durch und ich lasse sie gewähren.
War ja klar, dass die Sommerpause irgendwann vorbei ist. Oder vielleicht auch nur eine Pause von der Pause einlegt.
Die letzten Wochen waren wunderbar, ich mag es gar nicht sagen oder aufschreiben, aber ich hab so unfassbar viel gutes erlebt und gemacht, dass ich manchmal einfach nur selig vor mich hinstarre und ein bisschen lächle.
Und diese vielen tollen Menschen in meinem Umfeld, die mit mir lachen, mit mir singen, mit mir auf Konzerte gehen, sich gepflegt mit mir betrinken und ihre Zigaretten teilen, mit mir Ausflüge machen, mir alberne Katzenvideos zeigen, mir beinahe täglich Mut zusprechen und mich einfach mal in den Arm nehmen.
Und gleichzeitig die aufkeimende Angst vor den nächsten Wochen, dem 5. September, der einfach näher rückt, ohne dass ich irgendwas dagegen machen könnte.
Angst vor den 55 Tagen Paralleluniversum, und gleichzeitig ein Funken Freude, weil es doch schließlich die Zeit in meinem Leben war, die ich mit meinen Söhnen verbringen durfte.
Es ist diese Ambivalenz, die sich zur Zeit so stark durch mein Leben zieht, wie noch nie zuvor.
Auf der einen Seite die hohen Berge, der Spaß, das Lachen. Auf der anderen Seite die tiefen Täler und Abgründe. Die Einsamkeit, die Leere, die stille Angst dass mein Leben einfach nie wieder annähernd normal wird.
Montag, 20. Juli 2015
Danke gut, und selbst?
Mich aus meiner Wohlfühlzone rauszubewegen ist bei mir einigermaßen mit Panik verbunden.
Letzte Woche war da dieses Ehemaligentreffen mit Firmenkollegen "von früher". 8 Jahre ist es her, dass ich den überwiegenden Teil davon gesehen habe.
Ich habe mir im Vornherein unheimlich viele Gedanken gemacht, wie das wohl werden wird.
Small Talk ist super, wenn man überwiegend smalles zu talken hat.
Meine Überlegung war dann, einfach den Gesprächsfaden zurückzureichen wenn es mir zu heikel wird. "Mein letztes Jahr lief nicht sehr gut, lass uns doch lieber von dir reden"
Werbebranche im weitesten Sinne, da funktioniert der Ansatz doch wohl 1A.
Es kamen zum Glück genau 0 Fragen zu heiklen Themen.
Nur das standardmäßige "Was machst du jetzt?" und da erzählte man einfach einen Schwank aus seinem Arbeitsleben und alle waren glücklich. Dazu ein Glas Wein und: es war ein sehr gelungener Abend.
Hatte dann dennoch ein interessantes Gespräch mit einer guten Kollegin/Freundin, mit der ich in den Jahren auch Kontakt gehalten habe.
Sie fragte mich nach meinem Freund und da kam ich dann doch ins erzählen (und schuld war doch nur der Wein).
Ich erzählte ihr von Erik und Paul und sie stellte eine sehr kluge Frage, die mich die letzten Tage beschäftigt hat: "Ist das alles real für dich?"
Wie kann so etwas nicht real sein? Aber ist es nicht schon so, dass man die Tatsache, dass die eigenen Kinder tot und begraben sind, zu einem Großteil der Zeit ausblenden MUSS, um nicht, naja, gänzlich verrückt zu werden? Wie lebt man damit? Ich bin selbst betroffen und kann es trotzdem nicht genau sagen.
Aber es hat bei mir einen Nerv getroffen, defintiv.
Meine Realität ist sehr abhängig davon, mit wem ich meine Zeit verbringe.
Ich fände es schön, wenn ich es irgendwann schaffe, Wohlfühlzone vs. Neue Leute besser zusammenzubringen.
Im Moment sind es noch Feldversuche, teilweise stoße ich den Menschen vor den Kopf, indem ich sie einfach ohne Vorwarnung konfrontiere.
Aber letztlich ist es mein Leben, dass ich mir ja schließlich auch nicht ausgesucht habe. Die anderen dürfen immerhin entscheiden, ob sie den Weg mit mir gehen wollen oder nicht.
Letzte Woche war da dieses Ehemaligentreffen mit Firmenkollegen "von früher". 8 Jahre ist es her, dass ich den überwiegenden Teil davon gesehen habe.
Ich habe mir im Vornherein unheimlich viele Gedanken gemacht, wie das wohl werden wird.
Small Talk ist super, wenn man überwiegend smalles zu talken hat.
Meine Überlegung war dann, einfach den Gesprächsfaden zurückzureichen wenn es mir zu heikel wird. "Mein letztes Jahr lief nicht sehr gut, lass uns doch lieber von dir reden"
Werbebranche im weitesten Sinne, da funktioniert der Ansatz doch wohl 1A.
Es kamen zum Glück genau 0 Fragen zu heiklen Themen.
Nur das standardmäßige "Was machst du jetzt?" und da erzählte man einfach einen Schwank aus seinem Arbeitsleben und alle waren glücklich. Dazu ein Glas Wein und: es war ein sehr gelungener Abend.
Hatte dann dennoch ein interessantes Gespräch mit einer guten Kollegin/Freundin, mit der ich in den Jahren auch Kontakt gehalten habe.
Sie fragte mich nach meinem Freund und da kam ich dann doch ins erzählen (und schuld war doch nur der Wein).
Ich erzählte ihr von Erik und Paul und sie stellte eine sehr kluge Frage, die mich die letzten Tage beschäftigt hat: "Ist das alles real für dich?"
Wie kann so etwas nicht real sein? Aber ist es nicht schon so, dass man die Tatsache, dass die eigenen Kinder tot und begraben sind, zu einem Großteil der Zeit ausblenden MUSS, um nicht, naja, gänzlich verrückt zu werden? Wie lebt man damit? Ich bin selbst betroffen und kann es trotzdem nicht genau sagen.
Aber es hat bei mir einen Nerv getroffen, defintiv.
Meine Realität ist sehr abhängig davon, mit wem ich meine Zeit verbringe.
Ich fände es schön, wenn ich es irgendwann schaffe, Wohlfühlzone vs. Neue Leute besser zusammenzubringen.
Im Moment sind es noch Feldversuche, teilweise stoße ich den Menschen vor den Kopf, indem ich sie einfach ohne Vorwarnung konfrontiere.
Aber letztlich ist es mein Leben, dass ich mir ja schließlich auch nicht ausgesucht habe. Die anderen dürfen immerhin entscheiden, ob sie den Weg mit mir gehen wollen oder nicht.
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