Manchmal habe ich nachts ganz eigenartige Träume.
Ich träume dann nicht von Situationen, Menschen oder halbwegs greifbarem, sondern von meinen Gefühlen.
In diesen Träumen spüre ich einen irrsinnigen Schmerz, wie ein tiefer Strudel im Wasser, in dessen Tiefe man schon den Grund erahnt. Es fühlt sich an, als würde ich in mich hineinschreien.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich meinen Schmerz verkapselt habe.
Er hat sich ein kleines Nest gebaut, tief in mir, und ab und zu lupft er mal raus.
Je länger der Tod von Erik und Paul her ist, desto öfter gestatte ich mir, den Blick klar auf das zu richten, was uns passiert ist. Es ist sehr schwer für mich, das ganze als meine Realität anzunehmen.
Oft wirkte es auf mich, als würde ich einen Film vor meinem inneren Auge sehen, aber die Geschehnisse nicht mit MIR verknüpfen.
Wenn ich jetzt die Tagebucheinträge aus der Zeit im Krankenhaus lese, die ich teilweise tagesaktuell für die Dropbox aufbereitet habe, bin ich oft verstörter als damals. Was für eine tolle erste Verarbeitungsstrategie das war. Und wie froh ich bin, dass wir so viele Fotos gemacht haben.
Ich fühle mich oft so klein und so wertlos und so wenig verwurzelt in dieser Welt.
Wenn ich mir das aber alles durch den Kopf gehen lasse - sollte ich vielmehr auch mal stolz auf mich sein.
Ich habe vieles richtig gemacht in diesem ganzen Falschen.
Es ist anstrengend, Ich zu sein. Diese ganzen Gefühle unterzubringen, groß, klein, wütend, traurig, liebend, leidend. Und es dauert wirklich, seinen Weg zu finden.
Es ist immer noch oft Kampf. Für Normalität, gegen Normalität. Aber - was ist denn schon normal.
Freitag, 17. Juni 2016
Müde
"Long time no see", lieber Blog.
Es ist still geworden um mich.
Woran das liegt, versuche ich seit Wochen irgendwie rauszukriegen.
Ich bin erschöpft, müde, kann und mag mich nicht recht aufraffen, leb in einer Blase zwischen Zuckerwatte und Augenzuhalten.
Fühle mich fremd mit mir, bin nicht traurig und nicht glücklich, irgendwo schwerelos in einem Land zwischen Gestern und Morgen.
Das Gestern ist dunkel und traurig, das Morgen noch nicht geschrieben und damit unsicher.
Ich mag dieses "unsicher" nicht.
Ich versuche mir ein neues Leben aufzubauen, das ich unheimlich schön finde, und habe gleichzeitig riesen Angst, das alles wieder zu verlieren. So genieße ich lieber gar nicht erst zu sehr, denn, das hab ich ja gelernt, es kann mir von heute auf morgen alles weggenommen werden.
Für einen Kontrollfreak wie mich ist es ein schreckliches Gefühl, so wenig Einfluss auf die wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Ich versuche mich im "Fließenlassen", aber das ist ja so gar nicht mein Ding, genau wie das viel gelobte "Loslassen", "Treibenlassen", jawasauchimmerlassen.
Wie kann ich mir eine Sicherheit aufbauen in dieser unsicheren Welt?
Ist es wirklich einfach nur "hinfallen, aufstehen, weitermachen?" Wieder und wieder? Wie oft kann man das? Wann ist die Grenze erreicht?
Die letzten 1 1/2 Jahre waren oft so anstrengend, und ich müsste wahrscheinlich wochenlang ohne Pause schlafen, um die Energielevel wieder vollzubekommen.
Manchmal wäre ich so gerne die alte Tanja, unbelastet(er) und hoffnungsvoll(er).
Es ist still geworden um mich.
Woran das liegt, versuche ich seit Wochen irgendwie rauszukriegen.
Ich bin erschöpft, müde, kann und mag mich nicht recht aufraffen, leb in einer Blase zwischen Zuckerwatte und Augenzuhalten.
Fühle mich fremd mit mir, bin nicht traurig und nicht glücklich, irgendwo schwerelos in einem Land zwischen Gestern und Morgen.
Das Gestern ist dunkel und traurig, das Morgen noch nicht geschrieben und damit unsicher.
Ich mag dieses "unsicher" nicht.
Ich versuche mir ein neues Leben aufzubauen, das ich unheimlich schön finde, und habe gleichzeitig riesen Angst, das alles wieder zu verlieren. So genieße ich lieber gar nicht erst zu sehr, denn, das hab ich ja gelernt, es kann mir von heute auf morgen alles weggenommen werden.
Für einen Kontrollfreak wie mich ist es ein schreckliches Gefühl, so wenig Einfluss auf die wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Ich versuche mich im "Fließenlassen", aber das ist ja so gar nicht mein Ding, genau wie das viel gelobte "Loslassen", "Treibenlassen", jawasauchimmerlassen.
Wie kann ich mir eine Sicherheit aufbauen in dieser unsicheren Welt?
Ist es wirklich einfach nur "hinfallen, aufstehen, weitermachen?" Wieder und wieder? Wie oft kann man das? Wann ist die Grenze erreicht?
Die letzten 1 1/2 Jahre waren oft so anstrengend, und ich müsste wahrscheinlich wochenlang ohne Pause schlafen, um die Energielevel wieder vollzubekommen.
Manchmal wäre ich so gerne die alte Tanja, unbelastet(er) und hoffnungsvoll(er).
Samstag, 19. März 2016
Flashbacks
Heute morgen bin ich ewig nicht aus dem Bett gekommen.
Und als es dann Frühstück gab, hab ich kaum was runterbekommen.
Anschließend gab es dann direkt Tränen und einen schlimmen Vermissungsanfall.
Ich finde es immer wieder spannend, wie wenig Geist und Körper sich austricksen lassen.
Die letzten Wochen waren schön, relativ geradlinig und ohne größere Ausschläge nach unten.
Oberflächlich betrachtet lebe ich ein völlig normales Leben.
Und dann gibt es da, siehe den heutigen Morgen, wieder Begebenheiten, die mich aufhorchen lassen.
Da war eine mehrstündige Autofahrt, die in Angst und Panik endete (bzw. in Angst und Panik beendet werden musste.)
Die Endlichkeit des Lebens ist in manchen Momenten auf einmal so präsent und greifbar, dass plötzlich nix mehr geht.
Das ist definitiv "neu" in meinem Leben. Hurra.
Die Trauer bricht sich immer wieder Bahn. Die Intervalle dazwischen werden länger und länger, die Themenkomplexe verändern sich.
Wenn ich das so aus Laiensicht beurteilen kann, bin ich grad rein verarbeitungstechnisch bei der Frühchenintensivstation angelangt. Schwangerschaft und Geburt sind weitestgehend verknuspert, jetzt triggern mich dafür blöde Monitore in Serien und/oder Filmen, die zufällig baugleich sind mit denen auf "unserer" Intensivstation (soviele verschiedene Firmen wird es da wohl auch nicht geben).
Und gleichzeitig bin ich natürlich auch traurig über den Verlust, die Endgültigkeit, das geht alles Hand in Hand und gleichzeitig durcheinander.
Es sind nun über 1 1/2 Jahre seit der Geburt von Erik und Paul vergangen.
Es kommt mir ewig vor, aber eigentlich ist es von der Zeitrechnung her ein Witz. Nicht mal ein Wimpernschlag.
Und als es dann Frühstück gab, hab ich kaum was runterbekommen.
Anschließend gab es dann direkt Tränen und einen schlimmen Vermissungsanfall.
Ich finde es immer wieder spannend, wie wenig Geist und Körper sich austricksen lassen.
Die letzten Wochen waren schön, relativ geradlinig und ohne größere Ausschläge nach unten.
Oberflächlich betrachtet lebe ich ein völlig normales Leben.
Und dann gibt es da, siehe den heutigen Morgen, wieder Begebenheiten, die mich aufhorchen lassen.
Da war eine mehrstündige Autofahrt, die in Angst und Panik endete (bzw. in Angst und Panik beendet werden musste.)
Die Endlichkeit des Lebens ist in manchen Momenten auf einmal so präsent und greifbar, dass plötzlich nix mehr geht.
Das ist definitiv "neu" in meinem Leben. Hurra.
Die Trauer bricht sich immer wieder Bahn. Die Intervalle dazwischen werden länger und länger, die Themenkomplexe verändern sich.
Wenn ich das so aus Laiensicht beurteilen kann, bin ich grad rein verarbeitungstechnisch bei der Frühchenintensivstation angelangt. Schwangerschaft und Geburt sind weitestgehend verknuspert, jetzt triggern mich dafür blöde Monitore in Serien und/oder Filmen, die zufällig baugleich sind mit denen auf "unserer" Intensivstation (soviele verschiedene Firmen wird es da wohl auch nicht geben).
Und gleichzeitig bin ich natürlich auch traurig über den Verlust, die Endgültigkeit, das geht alles Hand in Hand und gleichzeitig durcheinander.
Es sind nun über 1 1/2 Jahre seit der Geburt von Erik und Paul vergangen.
Es kommt mir ewig vor, aber eigentlich ist es von der Zeitrechnung her ein Witz. Nicht mal ein Wimpernschlag.
Dienstag, 26. Januar 2016
Maßvoll vs. Maß voll
Mich beschäftigt zur Zeit die Frage, "wann denn mal wieder gut ist".
Ob es irgendwann mal wieder sowas wie gut ist.
Nicht dass es von außen irgendwer direkt an mich herangetragen hätte, aber ich frage mich schon manchmal, wie lange mein ganz persönlicher Welpenschutz noch dauern mag.
Hab ich jetzt einen Freibrief fürs Ausrasten?
Eine Freundin sagte mir kurz nach dem Tod der Jungs am Telefon, dass ich nun alles machen solle, was ich möchte. Und wenn sie mich in einem Jahr aus den Klauen einer bolivianischen Sekte befreien müssten, dann wäre das eben so.
Ich bin dann aber doch nicht nach Bolivien geflohen und eher implodiert als explodiert.
Mir fehlen eindeutig die Trauervorbilder!
Ich hab viel gelesen, u. a. auch das "Standardwerk" der Früher-Tod-Trauerbücher.
Aber oft bin ich im Alltag ratlos, was ich wem zumuten kann.
Darf ich noch mit Tränen in den Augen im Büro sitzen?
Darf ich sämtlichen Freizeitstress an andere delegieren, weil es mir mal wieder "nicht so gut geht"?
Darf ich Freunde kurzfristig versetzen, weil ich lieber heulen mag?
Wie lange hat so ein Umfeld Verständnis?
Einerseits soll der Tod eines Babies eines der schlimmstvorstellbaren Dinge sein.
Andererseits geht das Leben weiter, Leute lernen einen außerhalb des Muttiversums kennen.
Da werde ich schon dolle therapiert, aber irgendwie läuft es trotzdem nicht rund.
Ich klammer mich so fest an diesen Willen, dass alles normal und gut ist.
Vielleicht steh ich mir damit selbst im Weg,
Ob es irgendwann mal wieder sowas wie gut ist.
Nicht dass es von außen irgendwer direkt an mich herangetragen hätte, aber ich frage mich schon manchmal, wie lange mein ganz persönlicher Welpenschutz noch dauern mag.
Hab ich jetzt einen Freibrief fürs Ausrasten?
Eine Freundin sagte mir kurz nach dem Tod der Jungs am Telefon, dass ich nun alles machen solle, was ich möchte. Und wenn sie mich in einem Jahr aus den Klauen einer bolivianischen Sekte befreien müssten, dann wäre das eben so.
Ich bin dann aber doch nicht nach Bolivien geflohen und eher implodiert als explodiert.
Mir fehlen eindeutig die Trauervorbilder!
Ich hab viel gelesen, u. a. auch das "Standardwerk" der Früher-Tod-Trauerbücher.
Aber oft bin ich im Alltag ratlos, was ich wem zumuten kann.
Darf ich noch mit Tränen in den Augen im Büro sitzen?
Darf ich sämtlichen Freizeitstress an andere delegieren, weil es mir mal wieder "nicht so gut geht"?
Darf ich Freunde kurzfristig versetzen, weil ich lieber heulen mag?
Wie lange hat so ein Umfeld Verständnis?
Einerseits soll der Tod eines Babies eines der schlimmstvorstellbaren Dinge sein.
Andererseits geht das Leben weiter, Leute lernen einen außerhalb des Muttiversums kennen.
Da werde ich schon dolle therapiert, aber irgendwie läuft es trotzdem nicht rund.
Ich klammer mich so fest an diesen Willen, dass alles normal und gut ist.
Vielleicht steh ich mir damit selbst im Weg,
Dienstag, 29. Dezember 2015
Kummer
Die Weihnachtstage sind vorüber, die Weihnachtspfunde fühlen sich rundum wohl, und ich sitze seit vielen Tagen mal wieder gänzlich allein in meiner muckeligen Wohnung.
Seit Tagen beschleicht mich eine diffuse Traurigkeit, und der wollte ich mal etwas nachgehen.
Habe mir seit vielen Wochen mal wieder Fotos von Erik und Paul angeschaut, alte Tagebucheinträge gelesen, traurige Musik gehört, das ganze Programm.
Die Fassungslosigkeit darüber, was meine Söhne und ich erlitten haben, wird nicht kleiner.
Es hilft mir sehr, mich damit zu beschäftigen, aber die Erkenntnis, die daraus erwächst, schnürt mir jedes Mal wieder die Kehle zu:
Es gibt eine Lücke in meinem Herzen, die sich niemals schließen wird, die niemals gefüllt werden kann.
Egal was ich (schönes) erlebe, egal wohin ich gehe, Erik und Paul kommen nicht wieder, das Leben läuft vorwärts, nicht rückwärts, und alles was mir bleibt sind Erinnerungen.
Zweifelsohne schön, aber es nimmt mir nicht den Schmerz, wenn ich z. B. kleine Jungs sehe, oder - immer noch am schlimmsten - ganz frische Neugeborene, die einfach so mit ihren Muttis kuscheln können, weil es eben das normalste auf der Welt ist.
Kleine Wesen, die wachsen und groß und stark werden.
Bei uns wird keiner groß und stark. Meine Babies werden immer Babies bleiben, ich kann nur erahnen wie sie jetzt wohl aussehen würden.
Und gleichzeitig macht es mich wütend darüber nachzudenken, denn schließlich wird es nie so sein, die Gedanken sind müßig, es ist egal, es ist nicht Realität.
Das Jahr 2015 war das zweitschlimmste Jahr in meinem Leben. Ich bin froh, dass es bald vorbei ist.
Und auch froh über die guten Dinge, die trotz allem passiert sind.
Über Menschen, die an meiner Seite geblieben sind. Und auch über die, die neu in mein Leben getreten sind und es bereichern, in welcher Form auch immer.
Denn eines stimmt wirklich: nach Schicksalsschlägen trennt sich die Spreu vom Weizen.
Hallo Weizen, tschüs Spreu!
Seit Tagen beschleicht mich eine diffuse Traurigkeit, und der wollte ich mal etwas nachgehen.
Habe mir seit vielen Wochen mal wieder Fotos von Erik und Paul angeschaut, alte Tagebucheinträge gelesen, traurige Musik gehört, das ganze Programm.
Die Fassungslosigkeit darüber, was meine Söhne und ich erlitten haben, wird nicht kleiner.
Es hilft mir sehr, mich damit zu beschäftigen, aber die Erkenntnis, die daraus erwächst, schnürt mir jedes Mal wieder die Kehle zu:
Es gibt eine Lücke in meinem Herzen, die sich niemals schließen wird, die niemals gefüllt werden kann.
Egal was ich (schönes) erlebe, egal wohin ich gehe, Erik und Paul kommen nicht wieder, das Leben läuft vorwärts, nicht rückwärts, und alles was mir bleibt sind Erinnerungen.
Zweifelsohne schön, aber es nimmt mir nicht den Schmerz, wenn ich z. B. kleine Jungs sehe, oder - immer noch am schlimmsten - ganz frische Neugeborene, die einfach so mit ihren Muttis kuscheln können, weil es eben das normalste auf der Welt ist.
Kleine Wesen, die wachsen und groß und stark werden.
Bei uns wird keiner groß und stark. Meine Babies werden immer Babies bleiben, ich kann nur erahnen wie sie jetzt wohl aussehen würden.
Und gleichzeitig macht es mich wütend darüber nachzudenken, denn schließlich wird es nie so sein, die Gedanken sind müßig, es ist egal, es ist nicht Realität.
Das Jahr 2015 war das zweitschlimmste Jahr in meinem Leben. Ich bin froh, dass es bald vorbei ist.
Und auch froh über die guten Dinge, die trotz allem passiert sind.
Über Menschen, die an meiner Seite geblieben sind. Und auch über die, die neu in mein Leben getreten sind und es bereichern, in welcher Form auch immer.
Denn eines stimmt wirklich: nach Schicksalsschlägen trennt sich die Spreu vom Weizen.
Hallo Weizen, tschüs Spreu!
Dienstag, 8. Dezember 2015
Heim
Der Umzug ist weitestgehend überstanden.
Und ich habe ihn sowas von unterschätzt! Zumindest rein emotional betrachtet.
Die letzten Wochen mit Geburtstag und Todestagen hatten eh schon enorm am Nervenkostüm gezerrt, aber es blieb nur wenig Zeit zum Durchschnaufen. Weiter weiter WEITER.
Vielleicht war der Zeitpunkt für einen Umzug einfach blöd gewählt. Andererseits ist eine 3-Zimmer-Wohnung, in der so viele Träume gestorben sind, auch platzmäßig oder finanziell auf Dauer nicht tragbar.
Und eine WG oder ähnliches aufzuziehen war für mich völlig undenkbar. Bisher lebte ich entweder allein oder mit jeweiligem Partner zusammen. Und der Mensch ist schließlich auch ein Gewohnheitstier.
Aus der neuen Rummelbude wird nun ganz allmählich ein Heim.
Es ist total schön, sich langsam einzurichten (und langsam ist keine Übertreibung, aber anscheinend brauche ich die Zeit) und sich Stück für Stück mehr einzufühlen.
Und ich habe, zum Beispiel, wieder Gefallen an der Idee von Weihnachtsdeko gefunden. War vor einem Jahr total undenkbar.
Und auch Weihnachtsmärkte sind wieder schön, die Idee von Weihnachten überhaupt, nicht mehr so unsagbar grau wie letztes Jahr.
Vielleicht, oder ziemlich sicher, liegt es auch daran, dass ich verliebt bin, dass der Blick aufs Leben wieder ein friedvollerer ist.
Die Akzeptanz von dem, was mein Leben nun ist, ist größer geworden.
Ich vermisse meine Söhne jeden Tag, und gleichzeitig sehe ich auch für mich ganz persönlich wieder Perspektiven außerhalb dieser Rolle als trauernder Mutter.
Plötzlich bin ich, auch wenn das wahrscheinlich ziemlich komisch klingt, auch mal wieder einfach nur: Frau.
Vielleicht sind das mit die größten Geschenke, die mir in diesen ganzem Elend zuteil wurden - die Neugier aufs Leben nie gänzlich zu verlieren und die Hoffnung zu behalten, dass mein Leben noch ganz viel schönes für mich bereit hält.
Und ich habe ihn sowas von unterschätzt! Zumindest rein emotional betrachtet.
Die letzten Wochen mit Geburtstag und Todestagen hatten eh schon enorm am Nervenkostüm gezerrt, aber es blieb nur wenig Zeit zum Durchschnaufen. Weiter weiter WEITER.
Vielleicht war der Zeitpunkt für einen Umzug einfach blöd gewählt. Andererseits ist eine 3-Zimmer-Wohnung, in der so viele Träume gestorben sind, auch platzmäßig oder finanziell auf Dauer nicht tragbar.
Und eine WG oder ähnliches aufzuziehen war für mich völlig undenkbar. Bisher lebte ich entweder allein oder mit jeweiligem Partner zusammen. Und der Mensch ist schließlich auch ein Gewohnheitstier.
Aus der neuen Rummelbude wird nun ganz allmählich ein Heim.
Es ist total schön, sich langsam einzurichten (und langsam ist keine Übertreibung, aber anscheinend brauche ich die Zeit) und sich Stück für Stück mehr einzufühlen.
Und ich habe, zum Beispiel, wieder Gefallen an der Idee von Weihnachtsdeko gefunden. War vor einem Jahr total undenkbar.
Und auch Weihnachtsmärkte sind wieder schön, die Idee von Weihnachten überhaupt, nicht mehr so unsagbar grau wie letztes Jahr.
Vielleicht, oder ziemlich sicher, liegt es auch daran, dass ich verliebt bin, dass der Blick aufs Leben wieder ein friedvollerer ist.
Die Akzeptanz von dem, was mein Leben nun ist, ist größer geworden.
Ich vermisse meine Söhne jeden Tag, und gleichzeitig sehe ich auch für mich ganz persönlich wieder Perspektiven außerhalb dieser Rolle als trauernder Mutter.
Plötzlich bin ich, auch wenn das wahrscheinlich ziemlich komisch klingt, auch mal wieder einfach nur: Frau.
Vielleicht sind das mit die größten Geschenke, die mir in diesen ganzem Elend zuteil wurden - die Neugier aufs Leben nie gänzlich zu verlieren und die Hoffnung zu behalten, dass mein Leben noch ganz viel schönes für mich bereit hält.
Donnerstag, 12. November 2015
Verwandlung
Nun also schließt sich der Kreis der Jahrestage.
Heute vor einem Jahr sind Erik und Paul gemeinsam beerdigt worden.
Es war ein friedvoller Tag, voller Sonne, Liebe und Wärme, getragen von Familie und engen Freunden. Unzählige Tränen, die vergossen wurden, gemeinsam.
Mir ging der Tag heute allerdings nicht so sehr an die Nieren wie der Geburtstag und die jeweiligen Todestage, ich habe mir auch keinen Urlaub genommen.
Mir ist nur im Laufe des Tages aufgefallen, dass ich das selbe Kleid trage, wie vor einem Jahr. Ein Freud'scher Verkleider, oder so ähnlich.
Es hat sich alles so sehr verändert seitdem.
Im Moment stehe ich gerade in einem Mix aus Umzugskisten und auseinander gebauten Möbeln.
Am Wochenende steht nun mein Auszug an.
Ich hab eine wunderhübsche kleine(re) Wohnung gefunden, auf die ich mich sehr freue.
Es ist an der Zeit, sich aus dem alten Zuhause auf den Weg in ein neues zu machen.
Wieder ein Stück Abschied, loslassen, zurücklassen, aussortieren, mitnehmen, das ganze buchstäblich wie metaphorisch.
Vorhin stand ich heulend in meiner bereits abgebauten Küche und konnte es einfach nicht fassen, dass alles so gekommen ist. Mein Leben war doch arschgeil! Warum ist diese ganze Scheiße bloß passiert?
Ich hab mir in diesem Jahr den Hintern aufgerissen, um einigermaßen auf Kurs zu bleiben.
Anstrengend, jeden einzelnen Tag. Aber ich find immer noch, dass es sich lohnt.
Ich. Will. Weiter. Leben.
Und meine Jungs, die nehm ich im Herzen mit.
Heute vor einem Jahr sind Erik und Paul gemeinsam beerdigt worden.
Es war ein friedvoller Tag, voller Sonne, Liebe und Wärme, getragen von Familie und engen Freunden. Unzählige Tränen, die vergossen wurden, gemeinsam.
Mir ging der Tag heute allerdings nicht so sehr an die Nieren wie der Geburtstag und die jeweiligen Todestage, ich habe mir auch keinen Urlaub genommen.
Mir ist nur im Laufe des Tages aufgefallen, dass ich das selbe Kleid trage, wie vor einem Jahr. Ein Freud'scher Verkleider, oder so ähnlich.
Es hat sich alles so sehr verändert seitdem.
Im Moment stehe ich gerade in einem Mix aus Umzugskisten und auseinander gebauten Möbeln.
Am Wochenende steht nun mein Auszug an.
Ich hab eine wunderhübsche kleine(re) Wohnung gefunden, auf die ich mich sehr freue.
Es ist an der Zeit, sich aus dem alten Zuhause auf den Weg in ein neues zu machen.
Wieder ein Stück Abschied, loslassen, zurücklassen, aussortieren, mitnehmen, das ganze buchstäblich wie metaphorisch.
Vorhin stand ich heulend in meiner bereits abgebauten Küche und konnte es einfach nicht fassen, dass alles so gekommen ist. Mein Leben war doch arschgeil! Warum ist diese ganze Scheiße bloß passiert?
Ich hab mir in diesem Jahr den Hintern aufgerissen, um einigermaßen auf Kurs zu bleiben.
Anstrengend, jeden einzelnen Tag. Aber ich find immer noch, dass es sich lohnt.
Ich. Will. Weiter. Leben.
Und meine Jungs, die nehm ich im Herzen mit.
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