Gestern, am 5. September 2016, wären meine kleinen Helden 2 Jahre alt geworden.
Es hat sich viel verändert seit dem letzten Geburtstag.
Letztes Jahr um diese Zeit war ich ein totales Wrack, der 1. Geburtstag ein riesen Meilenstein, und die Trauer übermächtig.
Dieses Jahr war ich die Tage vorher nervös und unruhig, die Nacht vom 4. auf den 5. schlief ich extrem schlecht und träumte sehr verworren.
Morgens hatte ich mich wieder mit meiner lieben Freundin F. verabredet, mit der ich in "meinem" Krankenhaus beim dortigen Bäcker frühstücken und den Jungs gedenken wollte.
Auf dem Weg dorthin fühlten sich meine Beine wackelig an und ich hatte ein seltsam unwirkliches Gefühl. Auf der Straße sah ich Mütter mit ihren Kindern und dachte, "Hey! Meine Söhne werden heute 2!" Ich fühlte mich auf gewisse Art zugehörig und dann auch wieder ganz fremd.
Freute mich über die Geburt dieser unsagbar kostbaren Schätze und war traurig darüber, dass sie nicht mehr da sind.
Ich aß wieder Rührei mit Brötchen, dazu gab es einen Caramel Macchiato. Das Wetter war ähnlich wie im letzten Jahr, grau und nieselig, so dass wir fast die einzigen Gäste waren, die draußen saßen.
Um 9:45 und 9:46 Uhr hielten F. und ich uns an den Händen, um diese Zeit erblickte erst Erik, dann Paul das Licht der Welt.
Wir gingen danach noch ins Krankenhaus, durch die Gänge meiner Bettenstation, und schließlich vorbei an der Neonatologie. Vor dessen Tür warteten Eltern darauf, hineingelassen zu werden.
Sie sahen uns an, mit freundlichen, zuversichtlichen Gesichtern. Ich fühlte mich, als würde sich der Erdboden auftun, und konnte sie nicht ansehen.
Anschließend fuhren wir noch zum Friedhof. Ich war lange dort, traf dort noch auf den Papa der beiden, was auch irgendwie zu dem Tag passte, und wir unterhielten uns darüber, wie es uns so ging und wie wir dem heutigen Tag gegenüber stehen.
Ich fühlte mich seltsam milde, meine Wut verraucht, mit beiden Beinen im Hier und Jetzt, und alles was mir aus der Vergangenheit bleibt, ist die Liebe zu den Jungs.
Erik und Paul, die immer bei mir sind, tief in meinem Herzen wohnen, mich begleiten und mir Kraft geben.
Nachmittags habe ich dann noch mit meinen Eltern, meiner Schwester, meiner Freundin F. und meinem Freund Kaffee und Kuchen gegessen.
Draußen schien inzwischen die Sonne, ein strahlend schöner Spätsommertag.
Wir haben das alle wieder gut gemacht!
Auch wenn der Kreis der Personen, die an einen denken, einem eine liebe Nachricht schicken, immer kleiner wird.
Ist wohl der Lauf der Zeit. Ich halte mich einfach an diejenigen, die mich auch als das sehen, was ich geworden bin: eine liebende Mama von zwei bezaubernden kleinen Jungs, die immer traurig darüber sein wird, dass die beiden nicht mehr bei ihr sein dürfen.
Alles Gute, ihr beiden Mäuse.
Dienstag, 6. September 2016
Donnerstag, 11. August 2016
Licht und Schatten
Schon wieder August. Wo ist denn bloß das letzte Jahr geblieben?
Die Erinnerungen an den letzten Sommer und die Angst vor den ersten Jahrestagen sind noch so präsent, als wäre es gerade erst gewesen.
Und auch jetzt spüre ich wieder diese schleichende, zunehmende Angst, habe kurze Anflüge von bodenloser Traurigkeit und alles verzehrender Wut.
Mir geht es definitiv besser als letztes Jahr. Wobei das letzte Jahr das zweitschlimmste meines Lebens war, wenn ich also "besser" sage, ist das immer noch nicht "Einhörner kotzen Regenbögen".
Es ärgert mich, wenn ich von Leuten höre, dass ich nach vorne schauen soll.
Danke ihr Schlaumeier, hätte ich das die letzten beiden Jahre nicht die meiste Zeit getan, wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier.
Was einem an Ungehobeltheiten entgegen geweht kommt, davon kann wohl leider jede/r verwaiste Mutter und verwaister Vater ein Liedchen singen.
Ich finde es heuchlerisch, wenn einerseits gesagt wird, dass es das Schlimmste sei, wenn das eigene Kind vor einem stirbt. Und andererseits ist es dann komisch, wenn man noch 2 Jahren immer noch trauert?
Das ist nicht irgendwann zuende, es gibt keinen Schlusspunkt.
Es verändert sich und im besten Falle integriert man die schlimmen Geschehnisse in sein Leben.
Dafür braucht es viel Akzeptanz, Trauer ist oft sperrig und egoistisch, und ihre Tiefe macht vielen Menschen Angst.
Gleichzeitig sind aber auch die Höhen viel intensiver.
Diese Ambivalenz ist mir geblieben. Und ich hab sie gern, auf ihre Art. Ist mir jedenfalls lieber, als dieses Nicht-Gefühl, die Schockstarre, die Watte im Kopf.
Mein Freund sagte neulich zu mir, dass ich nicht bloß funktionieren solle, wenn ich eigentlich tieftraurig sei.
Das ist das schönste, was ich seit langem zum Thema Trauer gehört habe.
Ich glaube wenn mehr Menschen, die Trauernde um sich haben, bereit sind das auszuhalten, und nicht nur wünschen, dass der Trauernde "weitermacht" und funktioniert, weil: ist ja einfacher, dann wäre die Welt vielleicht ein Stückchen heller.
Wo Schatten ist, ist schließlich auch Licht.
Die Erinnerungen an den letzten Sommer und die Angst vor den ersten Jahrestagen sind noch so präsent, als wäre es gerade erst gewesen.
Und auch jetzt spüre ich wieder diese schleichende, zunehmende Angst, habe kurze Anflüge von bodenloser Traurigkeit und alles verzehrender Wut.
Mir geht es definitiv besser als letztes Jahr. Wobei das letzte Jahr das zweitschlimmste meines Lebens war, wenn ich also "besser" sage, ist das immer noch nicht "Einhörner kotzen Regenbögen".
Es ärgert mich, wenn ich von Leuten höre, dass ich nach vorne schauen soll.
Danke ihr Schlaumeier, hätte ich das die letzten beiden Jahre nicht die meiste Zeit getan, wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier.
Was einem an Ungehobeltheiten entgegen geweht kommt, davon kann wohl leider jede/r verwaiste Mutter und verwaister Vater ein Liedchen singen.
Ich finde es heuchlerisch, wenn einerseits gesagt wird, dass es das Schlimmste sei, wenn das eigene Kind vor einem stirbt. Und andererseits ist es dann komisch, wenn man noch 2 Jahren immer noch trauert?
Das ist nicht irgendwann zuende, es gibt keinen Schlusspunkt.
Es verändert sich und im besten Falle integriert man die schlimmen Geschehnisse in sein Leben.
Dafür braucht es viel Akzeptanz, Trauer ist oft sperrig und egoistisch, und ihre Tiefe macht vielen Menschen Angst.
Gleichzeitig sind aber auch die Höhen viel intensiver.
Diese Ambivalenz ist mir geblieben. Und ich hab sie gern, auf ihre Art. Ist mir jedenfalls lieber, als dieses Nicht-Gefühl, die Schockstarre, die Watte im Kopf.
Mein Freund sagte neulich zu mir, dass ich nicht bloß funktionieren solle, wenn ich eigentlich tieftraurig sei.
Das ist das schönste, was ich seit langem zum Thema Trauer gehört habe.
Ich glaube wenn mehr Menschen, die Trauernde um sich haben, bereit sind das auszuhalten, und nicht nur wünschen, dass der Trauernde "weitermacht" und funktioniert, weil: ist ja einfacher, dann wäre die Welt vielleicht ein Stückchen heller.
Wo Schatten ist, ist schließlich auch Licht.
Freitag, 17. Juni 2016
Über den Schmerz
Manchmal habe ich nachts ganz eigenartige Träume.
Ich träume dann nicht von Situationen, Menschen oder halbwegs greifbarem, sondern von meinen Gefühlen.
In diesen Träumen spüre ich einen irrsinnigen Schmerz, wie ein tiefer Strudel im Wasser, in dessen Tiefe man schon den Grund erahnt. Es fühlt sich an, als würde ich in mich hineinschreien.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich meinen Schmerz verkapselt habe.
Er hat sich ein kleines Nest gebaut, tief in mir, und ab und zu lupft er mal raus.
Je länger der Tod von Erik und Paul her ist, desto öfter gestatte ich mir, den Blick klar auf das zu richten, was uns passiert ist. Es ist sehr schwer für mich, das ganze als meine Realität anzunehmen.
Oft wirkte es auf mich, als würde ich einen Film vor meinem inneren Auge sehen, aber die Geschehnisse nicht mit MIR verknüpfen.
Wenn ich jetzt die Tagebucheinträge aus der Zeit im Krankenhaus lese, die ich teilweise tagesaktuell für die Dropbox aufbereitet habe, bin ich oft verstörter als damals. Was für eine tolle erste Verarbeitungsstrategie das war. Und wie froh ich bin, dass wir so viele Fotos gemacht haben.
Ich fühle mich oft so klein und so wertlos und so wenig verwurzelt in dieser Welt.
Wenn ich mir das aber alles durch den Kopf gehen lasse - sollte ich vielmehr auch mal stolz auf mich sein.
Ich habe vieles richtig gemacht in diesem ganzen Falschen.
Es ist anstrengend, Ich zu sein. Diese ganzen Gefühle unterzubringen, groß, klein, wütend, traurig, liebend, leidend. Und es dauert wirklich, seinen Weg zu finden.
Es ist immer noch oft Kampf. Für Normalität, gegen Normalität. Aber - was ist denn schon normal.
Ich träume dann nicht von Situationen, Menschen oder halbwegs greifbarem, sondern von meinen Gefühlen.
In diesen Träumen spüre ich einen irrsinnigen Schmerz, wie ein tiefer Strudel im Wasser, in dessen Tiefe man schon den Grund erahnt. Es fühlt sich an, als würde ich in mich hineinschreien.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich meinen Schmerz verkapselt habe.
Er hat sich ein kleines Nest gebaut, tief in mir, und ab und zu lupft er mal raus.
Je länger der Tod von Erik und Paul her ist, desto öfter gestatte ich mir, den Blick klar auf das zu richten, was uns passiert ist. Es ist sehr schwer für mich, das ganze als meine Realität anzunehmen.
Oft wirkte es auf mich, als würde ich einen Film vor meinem inneren Auge sehen, aber die Geschehnisse nicht mit MIR verknüpfen.
Wenn ich jetzt die Tagebucheinträge aus der Zeit im Krankenhaus lese, die ich teilweise tagesaktuell für die Dropbox aufbereitet habe, bin ich oft verstörter als damals. Was für eine tolle erste Verarbeitungsstrategie das war. Und wie froh ich bin, dass wir so viele Fotos gemacht haben.
Ich fühle mich oft so klein und so wertlos und so wenig verwurzelt in dieser Welt.
Wenn ich mir das aber alles durch den Kopf gehen lasse - sollte ich vielmehr auch mal stolz auf mich sein.
Ich habe vieles richtig gemacht in diesem ganzen Falschen.
Es ist anstrengend, Ich zu sein. Diese ganzen Gefühle unterzubringen, groß, klein, wütend, traurig, liebend, leidend. Und es dauert wirklich, seinen Weg zu finden.
Es ist immer noch oft Kampf. Für Normalität, gegen Normalität. Aber - was ist denn schon normal.
Müde
"Long time no see", lieber Blog.
Es ist still geworden um mich.
Woran das liegt, versuche ich seit Wochen irgendwie rauszukriegen.
Ich bin erschöpft, müde, kann und mag mich nicht recht aufraffen, leb in einer Blase zwischen Zuckerwatte und Augenzuhalten.
Fühle mich fremd mit mir, bin nicht traurig und nicht glücklich, irgendwo schwerelos in einem Land zwischen Gestern und Morgen.
Das Gestern ist dunkel und traurig, das Morgen noch nicht geschrieben und damit unsicher.
Ich mag dieses "unsicher" nicht.
Ich versuche mir ein neues Leben aufzubauen, das ich unheimlich schön finde, und habe gleichzeitig riesen Angst, das alles wieder zu verlieren. So genieße ich lieber gar nicht erst zu sehr, denn, das hab ich ja gelernt, es kann mir von heute auf morgen alles weggenommen werden.
Für einen Kontrollfreak wie mich ist es ein schreckliches Gefühl, so wenig Einfluss auf die wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Ich versuche mich im "Fließenlassen", aber das ist ja so gar nicht mein Ding, genau wie das viel gelobte "Loslassen", "Treibenlassen", jawasauchimmerlassen.
Wie kann ich mir eine Sicherheit aufbauen in dieser unsicheren Welt?
Ist es wirklich einfach nur "hinfallen, aufstehen, weitermachen?" Wieder und wieder? Wie oft kann man das? Wann ist die Grenze erreicht?
Die letzten 1 1/2 Jahre waren oft so anstrengend, und ich müsste wahrscheinlich wochenlang ohne Pause schlafen, um die Energielevel wieder vollzubekommen.
Manchmal wäre ich so gerne die alte Tanja, unbelastet(er) und hoffnungsvoll(er).
Es ist still geworden um mich.
Woran das liegt, versuche ich seit Wochen irgendwie rauszukriegen.
Ich bin erschöpft, müde, kann und mag mich nicht recht aufraffen, leb in einer Blase zwischen Zuckerwatte und Augenzuhalten.
Fühle mich fremd mit mir, bin nicht traurig und nicht glücklich, irgendwo schwerelos in einem Land zwischen Gestern und Morgen.
Das Gestern ist dunkel und traurig, das Morgen noch nicht geschrieben und damit unsicher.
Ich mag dieses "unsicher" nicht.
Ich versuche mir ein neues Leben aufzubauen, das ich unheimlich schön finde, und habe gleichzeitig riesen Angst, das alles wieder zu verlieren. So genieße ich lieber gar nicht erst zu sehr, denn, das hab ich ja gelernt, es kann mir von heute auf morgen alles weggenommen werden.
Für einen Kontrollfreak wie mich ist es ein schreckliches Gefühl, so wenig Einfluss auf die wichtigen Dinge des Lebens zu haben. Ich versuche mich im "Fließenlassen", aber das ist ja so gar nicht mein Ding, genau wie das viel gelobte "Loslassen", "Treibenlassen", jawasauchimmerlassen.
Wie kann ich mir eine Sicherheit aufbauen in dieser unsicheren Welt?
Ist es wirklich einfach nur "hinfallen, aufstehen, weitermachen?" Wieder und wieder? Wie oft kann man das? Wann ist die Grenze erreicht?
Die letzten 1 1/2 Jahre waren oft so anstrengend, und ich müsste wahrscheinlich wochenlang ohne Pause schlafen, um die Energielevel wieder vollzubekommen.
Manchmal wäre ich so gerne die alte Tanja, unbelastet(er) und hoffnungsvoll(er).
Samstag, 19. März 2016
Flashbacks
Heute morgen bin ich ewig nicht aus dem Bett gekommen.
Und als es dann Frühstück gab, hab ich kaum was runterbekommen.
Anschließend gab es dann direkt Tränen und einen schlimmen Vermissungsanfall.
Ich finde es immer wieder spannend, wie wenig Geist und Körper sich austricksen lassen.
Die letzten Wochen waren schön, relativ geradlinig und ohne größere Ausschläge nach unten.
Oberflächlich betrachtet lebe ich ein völlig normales Leben.
Und dann gibt es da, siehe den heutigen Morgen, wieder Begebenheiten, die mich aufhorchen lassen.
Da war eine mehrstündige Autofahrt, die in Angst und Panik endete (bzw. in Angst und Panik beendet werden musste.)
Die Endlichkeit des Lebens ist in manchen Momenten auf einmal so präsent und greifbar, dass plötzlich nix mehr geht.
Das ist definitiv "neu" in meinem Leben. Hurra.
Die Trauer bricht sich immer wieder Bahn. Die Intervalle dazwischen werden länger und länger, die Themenkomplexe verändern sich.
Wenn ich das so aus Laiensicht beurteilen kann, bin ich grad rein verarbeitungstechnisch bei der Frühchenintensivstation angelangt. Schwangerschaft und Geburt sind weitestgehend verknuspert, jetzt triggern mich dafür blöde Monitore in Serien und/oder Filmen, die zufällig baugleich sind mit denen auf "unserer" Intensivstation (soviele verschiedene Firmen wird es da wohl auch nicht geben).
Und gleichzeitig bin ich natürlich auch traurig über den Verlust, die Endgültigkeit, das geht alles Hand in Hand und gleichzeitig durcheinander.
Es sind nun über 1 1/2 Jahre seit der Geburt von Erik und Paul vergangen.
Es kommt mir ewig vor, aber eigentlich ist es von der Zeitrechnung her ein Witz. Nicht mal ein Wimpernschlag.
Und als es dann Frühstück gab, hab ich kaum was runterbekommen.
Anschließend gab es dann direkt Tränen und einen schlimmen Vermissungsanfall.
Ich finde es immer wieder spannend, wie wenig Geist und Körper sich austricksen lassen.
Die letzten Wochen waren schön, relativ geradlinig und ohne größere Ausschläge nach unten.
Oberflächlich betrachtet lebe ich ein völlig normales Leben.
Und dann gibt es da, siehe den heutigen Morgen, wieder Begebenheiten, die mich aufhorchen lassen.
Da war eine mehrstündige Autofahrt, die in Angst und Panik endete (bzw. in Angst und Panik beendet werden musste.)
Die Endlichkeit des Lebens ist in manchen Momenten auf einmal so präsent und greifbar, dass plötzlich nix mehr geht.
Das ist definitiv "neu" in meinem Leben. Hurra.
Die Trauer bricht sich immer wieder Bahn. Die Intervalle dazwischen werden länger und länger, die Themenkomplexe verändern sich.
Wenn ich das so aus Laiensicht beurteilen kann, bin ich grad rein verarbeitungstechnisch bei der Frühchenintensivstation angelangt. Schwangerschaft und Geburt sind weitestgehend verknuspert, jetzt triggern mich dafür blöde Monitore in Serien und/oder Filmen, die zufällig baugleich sind mit denen auf "unserer" Intensivstation (soviele verschiedene Firmen wird es da wohl auch nicht geben).
Und gleichzeitig bin ich natürlich auch traurig über den Verlust, die Endgültigkeit, das geht alles Hand in Hand und gleichzeitig durcheinander.
Es sind nun über 1 1/2 Jahre seit der Geburt von Erik und Paul vergangen.
Es kommt mir ewig vor, aber eigentlich ist es von der Zeitrechnung her ein Witz. Nicht mal ein Wimpernschlag.
Dienstag, 26. Januar 2016
Maßvoll vs. Maß voll
Mich beschäftigt zur Zeit die Frage, "wann denn mal wieder gut ist".
Ob es irgendwann mal wieder sowas wie gut ist.
Nicht dass es von außen irgendwer direkt an mich herangetragen hätte, aber ich frage mich schon manchmal, wie lange mein ganz persönlicher Welpenschutz noch dauern mag.
Hab ich jetzt einen Freibrief fürs Ausrasten?
Eine Freundin sagte mir kurz nach dem Tod der Jungs am Telefon, dass ich nun alles machen solle, was ich möchte. Und wenn sie mich in einem Jahr aus den Klauen einer bolivianischen Sekte befreien müssten, dann wäre das eben so.
Ich bin dann aber doch nicht nach Bolivien geflohen und eher implodiert als explodiert.
Mir fehlen eindeutig die Trauervorbilder!
Ich hab viel gelesen, u. a. auch das "Standardwerk" der Früher-Tod-Trauerbücher.
Aber oft bin ich im Alltag ratlos, was ich wem zumuten kann.
Darf ich noch mit Tränen in den Augen im Büro sitzen?
Darf ich sämtlichen Freizeitstress an andere delegieren, weil es mir mal wieder "nicht so gut geht"?
Darf ich Freunde kurzfristig versetzen, weil ich lieber heulen mag?
Wie lange hat so ein Umfeld Verständnis?
Einerseits soll der Tod eines Babies eines der schlimmstvorstellbaren Dinge sein.
Andererseits geht das Leben weiter, Leute lernen einen außerhalb des Muttiversums kennen.
Da werde ich schon dolle therapiert, aber irgendwie läuft es trotzdem nicht rund.
Ich klammer mich so fest an diesen Willen, dass alles normal und gut ist.
Vielleicht steh ich mir damit selbst im Weg,
Ob es irgendwann mal wieder sowas wie gut ist.
Nicht dass es von außen irgendwer direkt an mich herangetragen hätte, aber ich frage mich schon manchmal, wie lange mein ganz persönlicher Welpenschutz noch dauern mag.
Hab ich jetzt einen Freibrief fürs Ausrasten?
Eine Freundin sagte mir kurz nach dem Tod der Jungs am Telefon, dass ich nun alles machen solle, was ich möchte. Und wenn sie mich in einem Jahr aus den Klauen einer bolivianischen Sekte befreien müssten, dann wäre das eben so.
Ich bin dann aber doch nicht nach Bolivien geflohen und eher implodiert als explodiert.
Mir fehlen eindeutig die Trauervorbilder!
Ich hab viel gelesen, u. a. auch das "Standardwerk" der Früher-Tod-Trauerbücher.
Aber oft bin ich im Alltag ratlos, was ich wem zumuten kann.
Darf ich noch mit Tränen in den Augen im Büro sitzen?
Darf ich sämtlichen Freizeitstress an andere delegieren, weil es mir mal wieder "nicht so gut geht"?
Darf ich Freunde kurzfristig versetzen, weil ich lieber heulen mag?
Wie lange hat so ein Umfeld Verständnis?
Einerseits soll der Tod eines Babies eines der schlimmstvorstellbaren Dinge sein.
Andererseits geht das Leben weiter, Leute lernen einen außerhalb des Muttiversums kennen.
Da werde ich schon dolle therapiert, aber irgendwie läuft es trotzdem nicht rund.
Ich klammer mich so fest an diesen Willen, dass alles normal und gut ist.
Vielleicht steh ich mir damit selbst im Weg,
Dienstag, 29. Dezember 2015
Kummer
Die Weihnachtstage sind vorüber, die Weihnachtspfunde fühlen sich rundum wohl, und ich sitze seit vielen Tagen mal wieder gänzlich allein in meiner muckeligen Wohnung.
Seit Tagen beschleicht mich eine diffuse Traurigkeit, und der wollte ich mal etwas nachgehen.
Habe mir seit vielen Wochen mal wieder Fotos von Erik und Paul angeschaut, alte Tagebucheinträge gelesen, traurige Musik gehört, das ganze Programm.
Die Fassungslosigkeit darüber, was meine Söhne und ich erlitten haben, wird nicht kleiner.
Es hilft mir sehr, mich damit zu beschäftigen, aber die Erkenntnis, die daraus erwächst, schnürt mir jedes Mal wieder die Kehle zu:
Es gibt eine Lücke in meinem Herzen, die sich niemals schließen wird, die niemals gefüllt werden kann.
Egal was ich (schönes) erlebe, egal wohin ich gehe, Erik und Paul kommen nicht wieder, das Leben läuft vorwärts, nicht rückwärts, und alles was mir bleibt sind Erinnerungen.
Zweifelsohne schön, aber es nimmt mir nicht den Schmerz, wenn ich z. B. kleine Jungs sehe, oder - immer noch am schlimmsten - ganz frische Neugeborene, die einfach so mit ihren Muttis kuscheln können, weil es eben das normalste auf der Welt ist.
Kleine Wesen, die wachsen und groß und stark werden.
Bei uns wird keiner groß und stark. Meine Babies werden immer Babies bleiben, ich kann nur erahnen wie sie jetzt wohl aussehen würden.
Und gleichzeitig macht es mich wütend darüber nachzudenken, denn schließlich wird es nie so sein, die Gedanken sind müßig, es ist egal, es ist nicht Realität.
Das Jahr 2015 war das zweitschlimmste Jahr in meinem Leben. Ich bin froh, dass es bald vorbei ist.
Und auch froh über die guten Dinge, die trotz allem passiert sind.
Über Menschen, die an meiner Seite geblieben sind. Und auch über die, die neu in mein Leben getreten sind und es bereichern, in welcher Form auch immer.
Denn eines stimmt wirklich: nach Schicksalsschlägen trennt sich die Spreu vom Weizen.
Hallo Weizen, tschüs Spreu!
Seit Tagen beschleicht mich eine diffuse Traurigkeit, und der wollte ich mal etwas nachgehen.
Habe mir seit vielen Wochen mal wieder Fotos von Erik und Paul angeschaut, alte Tagebucheinträge gelesen, traurige Musik gehört, das ganze Programm.
Die Fassungslosigkeit darüber, was meine Söhne und ich erlitten haben, wird nicht kleiner.
Es hilft mir sehr, mich damit zu beschäftigen, aber die Erkenntnis, die daraus erwächst, schnürt mir jedes Mal wieder die Kehle zu:
Es gibt eine Lücke in meinem Herzen, die sich niemals schließen wird, die niemals gefüllt werden kann.
Egal was ich (schönes) erlebe, egal wohin ich gehe, Erik und Paul kommen nicht wieder, das Leben läuft vorwärts, nicht rückwärts, und alles was mir bleibt sind Erinnerungen.
Zweifelsohne schön, aber es nimmt mir nicht den Schmerz, wenn ich z. B. kleine Jungs sehe, oder - immer noch am schlimmsten - ganz frische Neugeborene, die einfach so mit ihren Muttis kuscheln können, weil es eben das normalste auf der Welt ist.
Kleine Wesen, die wachsen und groß und stark werden.
Bei uns wird keiner groß und stark. Meine Babies werden immer Babies bleiben, ich kann nur erahnen wie sie jetzt wohl aussehen würden.
Und gleichzeitig macht es mich wütend darüber nachzudenken, denn schließlich wird es nie so sein, die Gedanken sind müßig, es ist egal, es ist nicht Realität.
Das Jahr 2015 war das zweitschlimmste Jahr in meinem Leben. Ich bin froh, dass es bald vorbei ist.
Und auch froh über die guten Dinge, die trotz allem passiert sind.
Über Menschen, die an meiner Seite geblieben sind. Und auch über die, die neu in mein Leben getreten sind und es bereichern, in welcher Form auch immer.
Denn eines stimmt wirklich: nach Schicksalsschlägen trennt sich die Spreu vom Weizen.
Hallo Weizen, tschüs Spreu!
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