Und Weihnachten kam. Und war wahrhaftig schön.
Dieses Jahr war ich erstmalig bei meiner Schwiegerfamilie in spe, 500 km weit weg von zu Hause.
Ich war, zugegeben, ein bisschen skeptisch, ob das eine gute Idee sei, schließlich ist Weihnachten ja nicht ganz unbelastet was fehlende Familienmitglieder angeht.
Aber die Eltern meines Freundes sind bisher immer sehr sensibel mit meiner Vorgeschichte umgegangen, und so fühlte ich mich in guten Händen.
Und so kam es dann auch, dass ich an Heiligabend nach erfolgter Beschenkung und leckerem Essen vollkommen selig auf der Schlafcouch lag und Zwiesprache mit Erik und Paul hielt, und ihnen für alles dankte.
Sie haben so viel Liebe in mein Leben gebracht und mein Leben immer hell gemacht, wenn es am dunkelsten war.
Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass mir so viel schönes widerfährt. Dass ich geliebt werde. Dass ich akzeptiert werde. Dass alles schlimme und traurige zu mir dazu gehört und mich "ganz" macht.
Ja, ich habe immer noch ganz viel Angst vor Verlust und Kummer.
Mein Freund und ich schmieden viele schöne Pläne, und ab und zu meldet sich ein kleines Stimmchen "aber was, wenn nicht...?"
Oder die Angst um die eigenen Eltern, die Geschwister, die Freunde... je mehr schönes man hat, desto mehr schönes kann man verlieren.
Aber es tut so gut, wieder ein bisschen nach vorne schauen zu können.
Wieder Spaß am Planen zu bekommen.
Klar zu sehen - wer und was tut mir gut in meinem Leben? Woran halte ich fest?
Auch im vergangenen Jahr haben einige Freund- oder Bekanntschaften Federn lassen müssen. Dafür wurden andere vertieft.
2017... ich bin gespannt auf dich.
Dienstag, 3. Januar 2017
Donnerstag, 15. Dezember 2016
Aufatmen
Am vergangenen Sonntag, den 11. Dezember, war der Weltgedenktag für verstorbene Kinder.
Jeden 2. Sonntag im Dezember wird seit vielen Jahren um 19 Uhr eine Kerze für all diejenigen Kinderseelen entzündet, die uns vorausgegangen sind.
Ich habe mich mit zwei Freundinnen aus meiner Elterngruppe getroffen, außerdem waren mein Freund und meine Schwester dabei.
Wir gingen erst in Ruhe Pizza essen, quatschten viel und machten uns dann anschließend auf in den Gedenkgottesdienst im Hamburger Michel.
Es waren so viele Leute da!
Als erstes entzündeten wir Kerzen für unsere Söhne und Töchter, dann setzten wir uns irgendwo in der Mitte in eine der Bankreihen.
Es folgten eine sehr schöne Predigt, ein paar Lieder und schließlich auch einige Eltern, die von ihren verstorbenen Kinder erzählten und Briefe an sie vorlasen.
Ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel und fürchterlich geweint.
Es war kaum zu ertragen, und auch wenn die Geschichten andere waren, die Kinder schon älter als meine, teils erwachsen, so eint doch alle dieser schlimmste Schmerz: sein Kind verloren zu haben.
So seltsam das auch von außen anmuten mag - diese Gemeinschaft von Trauernden und das gemeinsame Weinen mit Hunderten - das war wie ein Aufatmen, nach langer Zeit des Luftanhaltens.
Meine Freundinnen und ich standen zuletzt einfach nur Arm in Arm da und sangen das letzte Lied zusammen, wie Felsen in der Brandung. So alt und müde und schwer, und doch so stark und vor allem - gemeinsam.
Ich konnte sein, wer ich bin - ohne Alltagsmaske, ohne Chichi, einfach nur eine trauernde Mutter.
In all dem Advents- und Weihnachtstralala war das eine unglaublich wohltuende Erfahrung, die ich jedem Betroffenen nur empfehlen kann.
Jetzt kann Weihnachten kommen.
Jeden 2. Sonntag im Dezember wird seit vielen Jahren um 19 Uhr eine Kerze für all diejenigen Kinderseelen entzündet, die uns vorausgegangen sind.
Ich habe mich mit zwei Freundinnen aus meiner Elterngruppe getroffen, außerdem waren mein Freund und meine Schwester dabei.
Wir gingen erst in Ruhe Pizza essen, quatschten viel und machten uns dann anschließend auf in den Gedenkgottesdienst im Hamburger Michel.
Es waren so viele Leute da!
Als erstes entzündeten wir Kerzen für unsere Söhne und Töchter, dann setzten wir uns irgendwo in der Mitte in eine der Bankreihen.
Es folgten eine sehr schöne Predigt, ein paar Lieder und schließlich auch einige Eltern, die von ihren verstorbenen Kinder erzählten und Briefe an sie vorlasen.
Ich glaube, ich habe lange nicht mehr so viel und fürchterlich geweint.
Es war kaum zu ertragen, und auch wenn die Geschichten andere waren, die Kinder schon älter als meine, teils erwachsen, so eint doch alle dieser schlimmste Schmerz: sein Kind verloren zu haben.
So seltsam das auch von außen anmuten mag - diese Gemeinschaft von Trauernden und das gemeinsame Weinen mit Hunderten - das war wie ein Aufatmen, nach langer Zeit des Luftanhaltens.
Meine Freundinnen und ich standen zuletzt einfach nur Arm in Arm da und sangen das letzte Lied zusammen, wie Felsen in der Brandung. So alt und müde und schwer, und doch so stark und vor allem - gemeinsam.
Ich konnte sein, wer ich bin - ohne Alltagsmaske, ohne Chichi, einfach nur eine trauernde Mutter.
In all dem Advents- und Weihnachtstralala war das eine unglaublich wohltuende Erfahrung, die ich jedem Betroffenen nur empfehlen kann.
Jetzt kann Weihnachten kommen.
Donnerstag, 8. Dezember 2016
Advent, Advent
Lichterketten! Lebkuchen! Glühwein! Rote Wangen und rote Näschen! Mützen mit Bommel! Weihnachtsfeiern! Wichteln!
Wenn man denkt, dass der November in all seiner Elendigkeit schon bescheiden war, dann freut man sich erst recht über die schöne, glitzernde Einhornwelt vor Weihnachten.
Da werden Probleme einfach oblatisiert und geglühweint, mal bitte nicht so anstellen ihr Spaßbremsen, 3, 2, 1, SCHÖN.
Bah.
Seit Mitte November bin ich eigentlich fast durchgängig krank. Und wütend. Dann wieder traurig.
SCHÖN.
Es ist nicht so, dass ich Lichterketten nicht gern hätte. Oder Glühwein (Lumumba ist aber noch besser).
Wenn die Welt aber glitzert und funkelt, wird einmal mehr der harte Kontrast deutlich, den die Einsamkeit und Dunkelheit mit sich bringt.
Ich BIN nicht einsam, aber ich FÜHLE mich einsam.
Es gibt einige wenige, mit denen ich mich zum Glück austauschen kann, der harte Kern meiner Selbsthilfegruppe beispielsweise ist ein wahrer Segen.
Aber ansonsten bin ich gefühlt Lichtjahre weg vom normalen Betrieb.
Es ist so viel Trubel in mir. Und doch habe ich immer noch oft das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Den Tod meiner Jungs noch nicht verarbeitet zu haben. Zu viel Chaos bewältigt haben zu müssen.
Und dabei rast die Zeit nur so vorbei.
Bald ist 2017.
Werde ich je verstehen, was seit 2014 passiert ist?
Ich BIN nicht einsam, aber ich FÜHLE mich einsam.
Es gibt einige wenige, mit denen ich mich zum Glück austauschen kann, der harte Kern meiner Selbsthilfegruppe beispielsweise ist ein wahrer Segen.
Aber ansonsten bin ich gefühlt Lichtjahre weg vom normalen Betrieb.
Es ist so viel Trubel in mir. Und doch habe ich immer noch oft das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Den Tod meiner Jungs noch nicht verarbeitet zu haben. Zu viel Chaos bewältigt haben zu müssen.
Und dabei rast die Zeit nur so vorbei.
Bald ist 2017.
Werde ich je verstehen, was seit 2014 passiert ist?
Freitag, 4. November 2016
Pauls 2. Todestag
Am 29. Oktober 2014 ist mein kleiner Paul um 2:30 Uhr in meinen Armen gestorben.
Es sah lange so positiv für ihn aus, dass es für mich völlig unverständlich war, als es dann binnen Stunden auch für ihn zuende ging.
Ich hielt es nicht für möglich, dass ich das Prozedere der Sterbebegleitung noch ein zweites Mal überstehe. Ich war der festen Überzeugung, dass ich mich anschließend einfach in Luft auflösen würde.
Doch das Leben ist erbarmungslos geblieben, ich lebte einfach weiter, auch wenn damals all meine Hoffnung und jeglicher Wunsch zusammen mit Paul starben.
Ich existierte in einem Nichts aus Grau und Dunkel, und konnte mir nicht vorstellen, dass ich eines Tages die Sonne wieder sehen würde.
So war dann auch dieser 2. Todestag einer meiner Tiefstpunkte, und auch die Zeit zwischen den Todestagen schwer zu ertragen. Auch mein Körper: erschöpft, aktuell habe ich eine Blockade in der Brustwirbelsäule und bin eigentlich ein einziger wandelnder Schmerzpunkt.
Die Ausgangslage war eigentlich eine gute, es war Samstag, mein Freund war die ganze Zeit bei mir... und doch war ich den Tag über von einer tiefen Unruhe erfüllt.
Meine Fassade - nur ein gefühlter Hauch, und darunter tobender Irrsinn.
Wir holten gegen Mittag wieder drei Ballons, und mir war alles zu viel, die ganzen Menschen, der stürmische Wind, bekommen wir sie heil nach Hause...
Ironischerweise ging tatsächlich ein Ballon kaputt. Zu Hause. Vermutlich überdehnt, vom Kalten ins Warme.
Nachmittags trafen wir uns dann mit meiner Schwester und meiner Freundin F. und sind wieder zum Friedhof gefahren.
Auf dem Rückweg an einer schönen Koppel ließen wir dann Pauls Karte mit den verbleibenden zwei Luftballons auf die Reise gehen.
Von da an entspannte ich mich etwas. Mir war es so wichtig, dass ich Paul die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden ließ, wie Erik sie bekommen hatte.
Ich habe mir damit so großen Stress gemacht.
Mein Freund und ich fuhren noch mit zu F. und ihrer Familie, wo wir den Tag ausklingen ließen, Unmengen an Minipizzen und Baguettes aßen und Holzeisenbahn spielten.
Ein dunkler, trauriger Tag ging zuende. Mit viel Licht und Liebe für Paul im Herzen.
Ruhe auch du in Frieden, mein kleiner Schatz.
Es sah lange so positiv für ihn aus, dass es für mich völlig unverständlich war, als es dann binnen Stunden auch für ihn zuende ging.
Ich hielt es nicht für möglich, dass ich das Prozedere der Sterbebegleitung noch ein zweites Mal überstehe. Ich war der festen Überzeugung, dass ich mich anschließend einfach in Luft auflösen würde.
Doch das Leben ist erbarmungslos geblieben, ich lebte einfach weiter, auch wenn damals all meine Hoffnung und jeglicher Wunsch zusammen mit Paul starben.
Ich existierte in einem Nichts aus Grau und Dunkel, und konnte mir nicht vorstellen, dass ich eines Tages die Sonne wieder sehen würde.
So war dann auch dieser 2. Todestag einer meiner Tiefstpunkte, und auch die Zeit zwischen den Todestagen schwer zu ertragen. Auch mein Körper: erschöpft, aktuell habe ich eine Blockade in der Brustwirbelsäule und bin eigentlich ein einziger wandelnder Schmerzpunkt.
Die Ausgangslage war eigentlich eine gute, es war Samstag, mein Freund war die ganze Zeit bei mir... und doch war ich den Tag über von einer tiefen Unruhe erfüllt.
Meine Fassade - nur ein gefühlter Hauch, und darunter tobender Irrsinn.
Wir holten gegen Mittag wieder drei Ballons, und mir war alles zu viel, die ganzen Menschen, der stürmische Wind, bekommen wir sie heil nach Hause...
Ironischerweise ging tatsächlich ein Ballon kaputt. Zu Hause. Vermutlich überdehnt, vom Kalten ins Warme.
Nachmittags trafen wir uns dann mit meiner Schwester und meiner Freundin F. und sind wieder zum Friedhof gefahren.
Auf dem Rückweg an einer schönen Koppel ließen wir dann Pauls Karte mit den verbleibenden zwei Luftballons auf die Reise gehen.
Von da an entspannte ich mich etwas. Mir war es so wichtig, dass ich Paul die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden ließ, wie Erik sie bekommen hatte.
Ich habe mir damit so großen Stress gemacht.
Mein Freund und ich fuhren noch mit zu F. und ihrer Familie, wo wir den Tag ausklingen ließen, Unmengen an Minipizzen und Baguettes aßen und Holzeisenbahn spielten.
Ein dunkler, trauriger Tag ging zuende. Mit viel Licht und Liebe für Paul im Herzen.
Ruhe auch du in Frieden, mein kleiner Schatz.
Montag, 24. Oktober 2016
Eriks 2. Todestag
Am 19. Oktober 2014 ist mein kleiner Erik um 17:58 Uhr nach vielem Hoffen und Bangen verstorben.
Das Grauen jener Gewissheit von damals, dass seine Tage, seine Stunden gezählt waren, griff in den letzten Tagen wieder nach mir.
Dieses Gefühl bodenloser Dunkelheit, eine Einsamkeit, die einen fast zerreißt.
So war es wohl mal wieder ein dichter Schutzpanzer, der meine Gefühle umschloss, so dass ich letzten Mittwoch seltsam mild und flauschig blieb und nur vereinzelt Tränchen kullerten.
Ich hatte mir den Tag frei genommen und mir wieder einen kleinen Plan gestrickt.
Letztes Jahr gab es eine Flaschenpost, diesmal sollte es hoch hinaus gehen - so kaufte ich also drei Luftballons und ließ sie mit Helium befüllen.
Ich hatte eine kleine Postkarte beschrieben und wollte sie am späten Nachmittag in den Himmel steigen lassen.
Vorher ging es aber noch mit meinem Papa, meiner lieben Freundin F. und meinem Freund zum Friedhof.
Die Luftballons mussten noch ein wenig im Auto warten.
Ich hatte mir als Ausgangspunkt für den Ballonflug einen Ort, gar nicht weit weg von meiner Wohnung, ausgesucht.
Keine Bäume drumherum, dafür Wasser, und außerdem war ich gerne dort, vorzugsweise im Sommer, mit Bierchen und Kippchen.
Wir warteten noch auf meine Schwester, die gerade von der Uni kam, und so gingen die Luftballons gegen 18 Uhr (fast pünktlich zum Zeitpunkt des Todes) auf ihre Reise.
Und was für eine Reise!
Ich hatte etwas Sorge, ob sie es wohl über die mehrstöckigen Häuser schaffen würden, und schnell zeichnete sich ab, dass sie es wohl auch über den Eiffelturm geschafft hätten.
Wir starrten ihnen so lange hinterher, bis wir nicht mehr wussten ob die Punkte nun die Ballons oder nur noch unser Augenflimmern waren.
Neben den schmerzenden Augen waren wir auch etwas durchgefroren, und so entschieden wir anschließend, noch eine Kleinigkeit essen zu gehen. Um die Ecke gab es ein kleines, schnuckeliges Restaurant, in das ich in den letzten Wochen so manche Freundin reingeschleift hatte, so toll fand ich es.
Ein schöner Abschluss für diesen so traurigen Tag. Ein kleiner Kreis von lieben Menschen, ein leckeres Essen, etwas für Leib und Seele.
Und so hoffe ich, dass auch Eriks kleine Seele sich geliebt und gewärmt gefühlt hat an diesem besonderen, dunklen Tag, von all denen, die an ihn gedacht und ihn mit mir vermisst haben.
Ruhe in Frieden, mein kleiner Schatz.
Das Grauen jener Gewissheit von damals, dass seine Tage, seine Stunden gezählt waren, griff in den letzten Tagen wieder nach mir.
Dieses Gefühl bodenloser Dunkelheit, eine Einsamkeit, die einen fast zerreißt.
So war es wohl mal wieder ein dichter Schutzpanzer, der meine Gefühle umschloss, so dass ich letzten Mittwoch seltsam mild und flauschig blieb und nur vereinzelt Tränchen kullerten.
Ich hatte mir den Tag frei genommen und mir wieder einen kleinen Plan gestrickt.
Letztes Jahr gab es eine Flaschenpost, diesmal sollte es hoch hinaus gehen - so kaufte ich also drei Luftballons und ließ sie mit Helium befüllen.
Ich hatte eine kleine Postkarte beschrieben und wollte sie am späten Nachmittag in den Himmel steigen lassen.
Vorher ging es aber noch mit meinem Papa, meiner lieben Freundin F. und meinem Freund zum Friedhof.
Die Luftballons mussten noch ein wenig im Auto warten.
Ich hatte mir als Ausgangspunkt für den Ballonflug einen Ort, gar nicht weit weg von meiner Wohnung, ausgesucht.
Keine Bäume drumherum, dafür Wasser, und außerdem war ich gerne dort, vorzugsweise im Sommer, mit Bierchen und Kippchen.
Wir warteten noch auf meine Schwester, die gerade von der Uni kam, und so gingen die Luftballons gegen 18 Uhr (fast pünktlich zum Zeitpunkt des Todes) auf ihre Reise.
Und was für eine Reise!
Ich hatte etwas Sorge, ob sie es wohl über die mehrstöckigen Häuser schaffen würden, und schnell zeichnete sich ab, dass sie es wohl auch über den Eiffelturm geschafft hätten.
Wir starrten ihnen so lange hinterher, bis wir nicht mehr wussten ob die Punkte nun die Ballons oder nur noch unser Augenflimmern waren.
Neben den schmerzenden Augen waren wir auch etwas durchgefroren, und so entschieden wir anschließend, noch eine Kleinigkeit essen zu gehen. Um die Ecke gab es ein kleines, schnuckeliges Restaurant, in das ich in den letzten Wochen so manche Freundin reingeschleift hatte, so toll fand ich es.
Ein schöner Abschluss für diesen so traurigen Tag. Ein kleiner Kreis von lieben Menschen, ein leckeres Essen, etwas für Leib und Seele.
Und so hoffe ich, dass auch Eriks kleine Seele sich geliebt und gewärmt gefühlt hat an diesem besonderen, dunklen Tag, von all denen, die an ihn gedacht und ihn mit mir vermisst haben.
Ruhe in Frieden, mein kleiner Schatz.
Dienstag, 6. September 2016
2 Jahre alt
Gestern, am 5. September 2016, wären meine kleinen Helden 2 Jahre alt geworden.
Es hat sich viel verändert seit dem letzten Geburtstag.
Letztes Jahr um diese Zeit war ich ein totales Wrack, der 1. Geburtstag ein riesen Meilenstein, und die Trauer übermächtig.
Dieses Jahr war ich die Tage vorher nervös und unruhig, die Nacht vom 4. auf den 5. schlief ich extrem schlecht und träumte sehr verworren.
Morgens hatte ich mich wieder mit meiner lieben Freundin F. verabredet, mit der ich in "meinem" Krankenhaus beim dortigen Bäcker frühstücken und den Jungs gedenken wollte.
Auf dem Weg dorthin fühlten sich meine Beine wackelig an und ich hatte ein seltsam unwirkliches Gefühl. Auf der Straße sah ich Mütter mit ihren Kindern und dachte, "Hey! Meine Söhne werden heute 2!" Ich fühlte mich auf gewisse Art zugehörig und dann auch wieder ganz fremd.
Freute mich über die Geburt dieser unsagbar kostbaren Schätze und war traurig darüber, dass sie nicht mehr da sind.
Ich aß wieder Rührei mit Brötchen, dazu gab es einen Caramel Macchiato. Das Wetter war ähnlich wie im letzten Jahr, grau und nieselig, so dass wir fast die einzigen Gäste waren, die draußen saßen.
Um 9:45 und 9:46 Uhr hielten F. und ich uns an den Händen, um diese Zeit erblickte erst Erik, dann Paul das Licht der Welt.
Wir gingen danach noch ins Krankenhaus, durch die Gänge meiner Bettenstation, und schließlich vorbei an der Neonatologie. Vor dessen Tür warteten Eltern darauf, hineingelassen zu werden.
Sie sahen uns an, mit freundlichen, zuversichtlichen Gesichtern. Ich fühlte mich, als würde sich der Erdboden auftun, und konnte sie nicht ansehen.
Anschließend fuhren wir noch zum Friedhof. Ich war lange dort, traf dort noch auf den Papa der beiden, was auch irgendwie zu dem Tag passte, und wir unterhielten uns darüber, wie es uns so ging und wie wir dem heutigen Tag gegenüber stehen.
Ich fühlte mich seltsam milde, meine Wut verraucht, mit beiden Beinen im Hier und Jetzt, und alles was mir aus der Vergangenheit bleibt, ist die Liebe zu den Jungs.
Erik und Paul, die immer bei mir sind, tief in meinem Herzen wohnen, mich begleiten und mir Kraft geben.
Nachmittags habe ich dann noch mit meinen Eltern, meiner Schwester, meiner Freundin F. und meinem Freund Kaffee und Kuchen gegessen.
Draußen schien inzwischen die Sonne, ein strahlend schöner Spätsommertag.
Wir haben das alle wieder gut gemacht!
Auch wenn der Kreis der Personen, die an einen denken, einem eine liebe Nachricht schicken, immer kleiner wird.
Ist wohl der Lauf der Zeit. Ich halte mich einfach an diejenigen, die mich auch als das sehen, was ich geworden bin: eine liebende Mama von zwei bezaubernden kleinen Jungs, die immer traurig darüber sein wird, dass die beiden nicht mehr bei ihr sein dürfen.
Alles Gute, ihr beiden Mäuse.
Es hat sich viel verändert seit dem letzten Geburtstag.
Letztes Jahr um diese Zeit war ich ein totales Wrack, der 1. Geburtstag ein riesen Meilenstein, und die Trauer übermächtig.
Dieses Jahr war ich die Tage vorher nervös und unruhig, die Nacht vom 4. auf den 5. schlief ich extrem schlecht und träumte sehr verworren.
Morgens hatte ich mich wieder mit meiner lieben Freundin F. verabredet, mit der ich in "meinem" Krankenhaus beim dortigen Bäcker frühstücken und den Jungs gedenken wollte.
Auf dem Weg dorthin fühlten sich meine Beine wackelig an und ich hatte ein seltsam unwirkliches Gefühl. Auf der Straße sah ich Mütter mit ihren Kindern und dachte, "Hey! Meine Söhne werden heute 2!" Ich fühlte mich auf gewisse Art zugehörig und dann auch wieder ganz fremd.
Freute mich über die Geburt dieser unsagbar kostbaren Schätze und war traurig darüber, dass sie nicht mehr da sind.
Ich aß wieder Rührei mit Brötchen, dazu gab es einen Caramel Macchiato. Das Wetter war ähnlich wie im letzten Jahr, grau und nieselig, so dass wir fast die einzigen Gäste waren, die draußen saßen.
Um 9:45 und 9:46 Uhr hielten F. und ich uns an den Händen, um diese Zeit erblickte erst Erik, dann Paul das Licht der Welt.
Wir gingen danach noch ins Krankenhaus, durch die Gänge meiner Bettenstation, und schließlich vorbei an der Neonatologie. Vor dessen Tür warteten Eltern darauf, hineingelassen zu werden.
Sie sahen uns an, mit freundlichen, zuversichtlichen Gesichtern. Ich fühlte mich, als würde sich der Erdboden auftun, und konnte sie nicht ansehen.
Anschließend fuhren wir noch zum Friedhof. Ich war lange dort, traf dort noch auf den Papa der beiden, was auch irgendwie zu dem Tag passte, und wir unterhielten uns darüber, wie es uns so ging und wie wir dem heutigen Tag gegenüber stehen.
Ich fühlte mich seltsam milde, meine Wut verraucht, mit beiden Beinen im Hier und Jetzt, und alles was mir aus der Vergangenheit bleibt, ist die Liebe zu den Jungs.
Erik und Paul, die immer bei mir sind, tief in meinem Herzen wohnen, mich begleiten und mir Kraft geben.
Nachmittags habe ich dann noch mit meinen Eltern, meiner Schwester, meiner Freundin F. und meinem Freund Kaffee und Kuchen gegessen.
Draußen schien inzwischen die Sonne, ein strahlend schöner Spätsommertag.
Wir haben das alle wieder gut gemacht!
Auch wenn der Kreis der Personen, die an einen denken, einem eine liebe Nachricht schicken, immer kleiner wird.
Ist wohl der Lauf der Zeit. Ich halte mich einfach an diejenigen, die mich auch als das sehen, was ich geworden bin: eine liebende Mama von zwei bezaubernden kleinen Jungs, die immer traurig darüber sein wird, dass die beiden nicht mehr bei ihr sein dürfen.
Alles Gute, ihr beiden Mäuse.
Donnerstag, 11. August 2016
Licht und Schatten
Schon wieder August. Wo ist denn bloß das letzte Jahr geblieben?
Die Erinnerungen an den letzten Sommer und die Angst vor den ersten Jahrestagen sind noch so präsent, als wäre es gerade erst gewesen.
Und auch jetzt spüre ich wieder diese schleichende, zunehmende Angst, habe kurze Anflüge von bodenloser Traurigkeit und alles verzehrender Wut.
Mir geht es definitiv besser als letztes Jahr. Wobei das letzte Jahr das zweitschlimmste meines Lebens war, wenn ich also "besser" sage, ist das immer noch nicht "Einhörner kotzen Regenbögen".
Es ärgert mich, wenn ich von Leuten höre, dass ich nach vorne schauen soll.
Danke ihr Schlaumeier, hätte ich das die letzten beiden Jahre nicht die meiste Zeit getan, wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier.
Was einem an Ungehobeltheiten entgegen geweht kommt, davon kann wohl leider jede/r verwaiste Mutter und verwaister Vater ein Liedchen singen.
Ich finde es heuchlerisch, wenn einerseits gesagt wird, dass es das Schlimmste sei, wenn das eigene Kind vor einem stirbt. Und andererseits ist es dann komisch, wenn man noch 2 Jahren immer noch trauert?
Das ist nicht irgendwann zuende, es gibt keinen Schlusspunkt.
Es verändert sich und im besten Falle integriert man die schlimmen Geschehnisse in sein Leben.
Dafür braucht es viel Akzeptanz, Trauer ist oft sperrig und egoistisch, und ihre Tiefe macht vielen Menschen Angst.
Gleichzeitig sind aber auch die Höhen viel intensiver.
Diese Ambivalenz ist mir geblieben. Und ich hab sie gern, auf ihre Art. Ist mir jedenfalls lieber, als dieses Nicht-Gefühl, die Schockstarre, die Watte im Kopf.
Mein Freund sagte neulich zu mir, dass ich nicht bloß funktionieren solle, wenn ich eigentlich tieftraurig sei.
Das ist das schönste, was ich seit langem zum Thema Trauer gehört habe.
Ich glaube wenn mehr Menschen, die Trauernde um sich haben, bereit sind das auszuhalten, und nicht nur wünschen, dass der Trauernde "weitermacht" und funktioniert, weil: ist ja einfacher, dann wäre die Welt vielleicht ein Stückchen heller.
Wo Schatten ist, ist schließlich auch Licht.
Die Erinnerungen an den letzten Sommer und die Angst vor den ersten Jahrestagen sind noch so präsent, als wäre es gerade erst gewesen.
Und auch jetzt spüre ich wieder diese schleichende, zunehmende Angst, habe kurze Anflüge von bodenloser Traurigkeit und alles verzehrender Wut.
Mir geht es definitiv besser als letztes Jahr. Wobei das letzte Jahr das zweitschlimmste meines Lebens war, wenn ich also "besser" sage, ist das immer noch nicht "Einhörner kotzen Regenbögen".
Es ärgert mich, wenn ich von Leuten höre, dass ich nach vorne schauen soll.
Danke ihr Schlaumeier, hätte ich das die letzten beiden Jahre nicht die meiste Zeit getan, wäre ich jetzt wohl nicht mehr hier.
Was einem an Ungehobeltheiten entgegen geweht kommt, davon kann wohl leider jede/r verwaiste Mutter und verwaister Vater ein Liedchen singen.
Ich finde es heuchlerisch, wenn einerseits gesagt wird, dass es das Schlimmste sei, wenn das eigene Kind vor einem stirbt. Und andererseits ist es dann komisch, wenn man noch 2 Jahren immer noch trauert?
Das ist nicht irgendwann zuende, es gibt keinen Schlusspunkt.
Es verändert sich und im besten Falle integriert man die schlimmen Geschehnisse in sein Leben.
Dafür braucht es viel Akzeptanz, Trauer ist oft sperrig und egoistisch, und ihre Tiefe macht vielen Menschen Angst.
Gleichzeitig sind aber auch die Höhen viel intensiver.
Diese Ambivalenz ist mir geblieben. Und ich hab sie gern, auf ihre Art. Ist mir jedenfalls lieber, als dieses Nicht-Gefühl, die Schockstarre, die Watte im Kopf.
Mein Freund sagte neulich zu mir, dass ich nicht bloß funktionieren solle, wenn ich eigentlich tieftraurig sei.
Das ist das schönste, was ich seit langem zum Thema Trauer gehört habe.
Ich glaube wenn mehr Menschen, die Trauernde um sich haben, bereit sind das auszuhalten, und nicht nur wünschen, dass der Trauernde "weitermacht" und funktioniert, weil: ist ja einfacher, dann wäre die Welt vielleicht ein Stückchen heller.
Wo Schatten ist, ist schließlich auch Licht.
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